

Angelsachsen
Die Angelsachsen (altenglisch: Englisċ) waren eine frühe mittelalterliche germanische Bevölkerungsgruppe, die ab dem 5. Jahrhundert auf der britischen Insel siedelte und entscheidenden Einfluss auf die politische, kulturelle und sprachliche Entwicklung des späteren Englands ausübte. Ihre Epoche wird allgemein von etwa 450 bis 1066 datiert, vom Ende der römischen Herrschaft in Britannien bis zur Normannischen Eroberung.
Ursprung und Migration
Nach dem Rückzug der Römer aus Britannien im frühen 5. Jahrhundert wanderten verschiedene germanische Stämme, darunter Angeln, Sachsen und Jüten, auf die britische Insel ein. Ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete lagen im heutigen Norddeutschland, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und im südlichen Dänemark. Diese Gruppen mischten sich kulturell und politisch und etablierten Siedlungen insbesondere in den östlichen und südlichen Landesteilen. Die Angeln gaben dem späteren England seinen Namen (Engla land). Die Migration erfolgte in mehreren Wellen und führte zu tiefgreifenden Veränderungen der lokalen Bevölkerung und der sozialen Strukturen.
Frühe Königreiche und politische Entwicklung
Im angelsächsischen England entstanden zahlreiche kleinere Königreiche, die zusammen oft als Heptarchie bezeichnet werden. Zu den bedeutendsten gehörten Kent, Wessex, East Anglia, Essex, Sussex, Mercia und Northumbria. Kent entwickelte sich im 6. Jahrhundert zu einem Zentrum politischer und religiöser Veränderungen, während Wessex im 9. und 10. Jahrhundert zur dominierenden Macht aufstieg. Diese Königreiche standen häufig in Konkurrenz, schlossen jedoch auch Bündnisse, was die politische Landschaft dynamisch und fragmentiert gestaltete. Durch Kriege, Heiratsallianzen und Erbfolgen entstanden sukzessive größere Einheiten, die die Grundlage für ein späteres vereinigtes England bildeten.
Gesellschaft, Sprache und Kultur
Die angelsächsische Gesellschaft war überwiegend agrarisch organisiert und in kleine Verwaltungseinheiten, sogenannte Hundertschaften, gegliedert. Die Kultur zeichnete sich durch handwerkliche Fertigkeiten, religiöse Riten und eine ausgeprägte mündliche Überlieferung aus. Mit der Zeit entwickelte sich eine eigenständige literarische Tradition in altenglischer Sprache, die sowohl religiöse als auch weltliche Texte umfasste. Religiöse Praktiken wandelten sich vom heidnischen Glauben zu einer zunehmenden Christianisierung im späten 6. Jahrhundert, insbesondere unter Einfluss von Missionaren wie Augustinus von Canterbury. Kirchenbau, Klöster und Schriften trugen zur kulturellen Konsolidierung der Gesellschaft bei.
Ende der angelsächsischen Periode
Die angelsächsische Epoche endete traditionell mit der Normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066. Mit der Eroberung übernahmen normannische Herrscher politische Kontrolle und Rechtssysteme, wodurch sich die sozialen und sprachlichen Strukturen stark veränderten. Trotz dieser tiefgreifenden Veränderungen blieben viele angelsächsische Elemente in Sprache, Literatur und Alltagskultur erhalten und beeinflussten die Entwicklung des mittelalterlichen und späteren englischen Staates nachhaltig.
Siehe auch
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