Altgermanistik: Unterschied zwischen den Versionen

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== Einleitung in die Altgermanisik ==
Die '''Altgermanistik''' ist ein Teilbereich der [[Germanistik]], der sich in historischer, sprachwissenschaftlicher, literaturwissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Perspektive mit den ältesten schriftlich und mündlich überlieferten Zeugnissen der [[Germanische Sprachen|germanischen Sprach- und Literaturgeschichte]] sowie der geistigen und materiellen Kultur der [[Germanen|germanischen Völker]] befasst. Als akademische Disziplin bildet sie seit dem 19. Jahrhundert ein eigenständiges Forschungsfeld, dessen Ursprünge eng mit der Entwicklung der historischen Sprachwissenschaft und der vergleichenden Philologie im Zeitalter des deutschen Idealismus und der Romantik verbunden sind. Im Zentrum der altgermanistischen Forschung stehen die alt- und frühmittelalterlichen Textüberlieferungen, die germanischen Sprachen in ihren ältesten schriftlich belegten Stadien und die Rekonstruktion der vormodernen, vorchristlichen Glaubensvorstellungen und kulturellen Ausdrucksformen der germanischen Stämme und Gemeinschaften in der Spätantike und im Frühmittelalter.
Im Selbststudium<ref>'''Begriffserklärung:''' Der Begriff ''Selbststudium'' bezeichnet eine Lernform, bei der eine Person Wissen, Fähigkeiten oder Kompetenzen eigenständig und unabhängig von formalen Unterrichtsangeboten erwirbt. Es erfolgt selbstgesteuert, wobei Lerninhalte, Tempo und Methoden meist individuell gewählt werden. Ziel des Selbststudiums ist es, sich selbstständig Wissen anzueignen, Verständnis zu vertiefen oder persönliche Lernziele zu erreichen.</ref> der ''Altgermanistik'' begibt man sich auf eine spannende Entdeckungsreise in die Geschichte und Entwicklung der germanischen Sprachen<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Sprachen Germanische Sprachen] | Wikipedia</ref> – von ihren Ursprüngen bis zur heutigen deutschen Sprache<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache Deutsche Sprache] | Wikipedia</ref>. Man taucht dabei tief in die Welt des Urgermanischen<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Urgermanische_Sprache Urgermanische Sprache] | Wikipedia</ref> ein und verfolgt, wie sich diese gemeinsame Sprachwurzel Schritt für Schritt zu unterschiedlichen alten Sprachformen wie dem Gotischen<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Gotische_Sprache Gotische Sprache] | Wikipedia</ref>, Althochdeutschen<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsche_Sprache Althochdeutsche_Sprache] | Wikipedia</ref> oder Altnordischen<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Altnordische_Sprache Altnordische Sprache] | Wikipedia</ref> ausgebildet hat, aus denen schließlich das moderne Deutsch hervorging. Dieses Selbststudium ist nicht nur eine Beschäftigung mit alten Wörtern und Grammatikregeln, sondern auch ein Blick darauf, wie Sprache und Geschichte sich gegenseitig geprägt und verändert haben – ein Zusammenspiel, das die Vergangenheit lebendig werden lässt und die eigene Verbindung zu den sprachlichen Wurzeln Europas spürbar macht.


== Begriffsgeschichte und Disziplingeschichte ==
Im Selbststudium kann man eigene Schwerpunkte setzen. Man kann zum Beispiel die alten Runen<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Runen Runen] | Wikipedia</ref> lernen, die ältesten Texte lesen und übersetzen oder die Sprachformen miteinander vergleichen. Dabei stößt man auch auf die faszinierende Welt der mündlichen Überlieferungen, wie sie bei den [[Wikiversity:Wikiscience/Germanen, germanische Völker, Germanien (Wissenschaft, Forschung, Lehre)|germanischen Völkern]] üblich waren, bevor diese in Schriftform festgehalten wurden – etwa durch die Goten<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Goten Goten] | Wikipedia</ref> oder Franken<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Volk) Franken (Volk)] | Wikipedia</ref>.


Die Bezeichnung „Altgermanistik“ als Fachterminus setzte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts durch, als die Germanistik als akademische Disziplin eine differenzierte Gliederung erfuhr und sich in verschiedene Teilbereiche aufgliederte. Während die Germanistik ursprünglich als übergeordnete Bezeichnung für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den germanischen Sprachen und Literaturen in ihrer Gesamtheit diente, etablierte sich die Altgermanistik zunehmend als Bezeichnung für die Beschäftigung mit den ältesten schriftlichen Zeugnissen der germanischen Völker, insbesondere aus der Zeit vor der Ausbildung der mittelhochdeutschen und mittelniederdeutschen Literaturen. Ihren institutionellen Ursprung nahm die Altgermanistik im universitären Kontext des 19. Jahrhunderts, als sich die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft unter maßgeblicher Beteiligung deutscher und skandinavischer Gelehrter herausbildete. Bedeutende Anfänge lassen sich bei Jacob Grimm und Rasmus Christian Rask verorten, deren Arbeiten zur germanischen Sprach- und Literaturgeschichte, insbesondere Grimms „Deutsche Grammatik“ und Rasks vergleichende Studien zur germanischen Lautlehre, den methodischen Grundstein für die altgermanistische Forschung legten.
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse, wie die gotische Wulfilabibel<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Wulfilabibel Wulfilabibel] | Wikipedia</ref> des Bischofs Wulfila<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Wulfila Wulfila] | Wikipedia</ref> oder die ersten althochdeutschen Texte, sind nicht nur sprachlich interessant. Sie geben auch Einblicke in die Kultur, die Glaubensvorstellungen und die Gesellschaft dieser Zeit. Die ''Altgermanistik'' verbindet also Sprachgeschichte mit Kulturgeschichte und ermöglicht es, die Wurzeln unserer Sprache und Kultur besser zu verstehen.


== Forschungsgegenstand und Aufgabenfelder ==
== Beschreibung und Geschichte der Altgermanistik ==
Die ''Altgermanistik'' ist ein Teilbereich der Germanistik<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Germanistik Germanistik] | Wikipedia</ref>, der sich wissenschaftlich mit der ältesten überlieferten Sprach- und Literaturgeschichte der germanischen Völker befasst. Sie untersucht die germanischen Sprachen in ihrer ältesten Form, also insbesondere das Althochdeutsche, Altsächsische<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Alts%C3%A4chsische_Sprache Altsächsische Sprache] | Wikipedia</ref>, Altenglische<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Altenglisch Altenglisch] | Wikipedia</ref>, Altnordische (einschließlich Altisländisch<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Altisl%C3%A4ndische_Sprache Altisländische Sprache] | Wikipedia</ref> und Altnorwegisch<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Altnorwegische_Sprache Altnorwegische Sprache] | Wikipedia</ref>), Gotische sowie andere frühgermanische Sprachstufen. Dabei steht nicht nur die Sprachstruktur im Vordergrund, sondern auch die Literatur dieser Epochen, etwa Heldendichtung, Rechtstexte, religiöse Schriften und Runeninschriften.


Gegenstand der Altgermanistik sind in erster Linie die ältesten schriftlichen und mündlichen Überlieferungen der germanischen Völker, insbesondere in den altgermanischen Sprachen Alt- und Althochdeutsch, Altsächsisch, Altnordisch, Gotisch, Altenglisch und Altfriesisch. Hinzu treten runenepigraphische Zeugnisse, archäologische Quellen und die frühmittelalterlichen Missions-, Rechts- und Geschichtsschriften, die germanische Sprach- und Kulturgeschichte bezeugen. Ein besonderes Augenmerk der Disziplin gilt der Erschließung und kritischen Edition dieser Texte, ihrer sprachhistorischen und literarischen Analyse sowie der Erforschung ihrer kulturgeschichtlichen und religionsgeschichtlichen Hintergründe. Zu den wesentlichen Aufgaben der Altgermanistik gehört die sprachliche Rekonstruktion des Urgermanischen als hypothetischer Vorstufe aller germanischen Einzelsprachen, die Erforschung der Laut-, Formen- und Wortbildungslehre sowie der Syntax dieser Sprachen in ihrem frühen Stadium und die Analyse der literarischen Formen und Gattungen, zu denen Heldenepen, Spruchdichtung, religiöse Lieder und Gesetzestexte zählen. Einen weiteren zentralen Forschungsbereich bildet die Untersuchung der vormodernen Glaubensvorstellungen, Riten und Mythen der germanischen Stämme, die in literarischen Texten, Runeninschriften und antiken sowie frühmittelalterlichen Berichten überliefert sind.
Die ''Altgermanistik'' ist eng mit der historischen Sprachwissenschaft, der [[Wikiversity:Wikiscience/Germanistische Mediävistik|Germanistischen Mediävistik]] und der Runologie<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Runologie Runologie] | Wikipedia</ref> verbunden. Sie befasst sich mit der Rekonstruktion der Sprachentwicklung vom Urgermanischen über die einzelnen frühgermanischen Sprachen bis hin zu den mittleren und neueren Sprachstufen. Dabei werden philologische Methoden angewandt, um Texte kritisch zu edieren, zu übersetzen und in ihrem historischen, kulturellen und mythologischen Kontext zu interpretieren.


== Entwicklung der Methodik und Theoriebildung ==
Ursprünglich entstand die ''Altgermanistik'' im 19. Jahrhundert im Zuge der romantischen und nationalphilologischen Bewegungen, die ein besonderes Interesse an der Herkunft und den kulturellen Wurzeln der deutschen und anderer germanischer Völker hatten. Bedeutende Vertreter waren Jacob und Wilhelm Grimm<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Grimm Brüder Grimm] | Wikipedia</ref>, die nicht nur Märchensammler, sondern auch maßgebliche Sprachwissenschaftler und Herausgeber altgermanischer Texte waren. Bis heute bildet die ''Altgermanistik'' einen wichtigen Bestandteil der germanistischen Forschung, besonders im Hinblick auf die Bewahrung und das Verständnis der ältesten literarischen Zeugnisse germanischer Kulturen.


Die Methodik der Altgermanistik wurde maßgeblich durch die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft des frühen 19. Jahrhunderts geprägt, deren wichtigste Vertreter Jacob Grimm, Rasmus Christian Rask und Franz Bopp waren. Die Anwendung der Lautgesetze, die systematische Erfassung sprachlicher Übereinstimmungen und Abweichungen und die Rekonstruktion sprachgeschichtlicher Entwicklungsprozesse bildeten die Grundlagen der altgermanistischen Philologie. Grimms Gesetz über die Lautverschiebung im Germanischen und Verner’s Gesetz zur Erklärung scheinbarer Unregelmäßigkeiten in diesem System gelten als Meilensteine der Disziplin. Im literaturwissenschaftlichen Bereich wurde zunächst ein idealistisch-romantischer Zugang bevorzugt, der die Überlieferungen der Germanen als Ausdruck einer ursprünglichen, „volksnahen“ Dichtung und Weltanschauung verstand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann ein historisch-kritischer Ansatz an Bedeutung, der sich um die quellenkritische Einordnung, die Textgenese und die Überlieferungsgeschichte bemühte. Im 20. Jahrhundert wurde die Disziplin zunehmend von strukturalistischen und semiotischen Ansätzen beeinflusst, die die sprachlichen und literarischen Systeme der altgermanischen Texte als eigenständige kulturelle Konstrukte betrachteten. Auch interdisziplinäre Ansätze, die archäologische, religionswissenschaftliche und kulturhistorische Befunde einbezogen, prägten fortan das Methodenspektrum der Altgermanistik.
== [[Wikiversity:Wikiscience]] ==
* [[Wikiversity:Wikiscience/Germanistische Mediävistik|Germanistische Mediävistik]]


== Sprachwissenschaftliche Grundlagen ==
== Lehr- und Lernmaterialien für das Selbststudium ==
* [[Wikiversity:Wikiscience/Germanen, germanische Völker, Germanien (Wissenschaft, Forschung, Lehre)|Germanen, germanische Völker, Germanien (Wissenschaft, Forschung, Lehre)]]
* [[Wikiversity:Wikiscience/Tacitus’ Germania|Tacitus’ ''Germania'']]
* [[wikiversity:Wikiscience/Germanische Philologie|Germanische Philologie]]
* [[Fachbereich Germanistik]]
* [https://www.studocu.com/de/course/martin-luther-universitat-halle-wittenberg/einfuhrung-in-die-altgermanistik/2125731 Einführung in die Altgermanistik] | StuDocu (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
* [https://www.studocu.com/de/course/martin-luther-university-halle-wittenberg/grundlagen-der-altgermanistik/7187269 Grundlagen der Altgermanistik] | StuDocu (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
* [https://www.studydrive.net/de/course/einfuhrung-in-die-altgermanistik/317656#documents Einführung in die Altgermanistik (Kurs)] | Studidrive (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
* [https://www.germanistik.uni-halle.de/forschung/altgermanistik/ Forschungsschwerpunkte der Abteilung Altgermanistik] | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
* [https://www.germanistik-im-netz.de/informieren/detail/ressource/datenbank-zu-forschungsprojekten-der-altgermanistik/ Datenbank zu Forschungsprojekten der Altgermanistik] | Germanistik im Netz (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt)
* [https://dbis.ur.de/FHBIN/resources/2395 Datenbank zu Forschungsprojekten der Altgermanistik] | Datenbank-Infosystem (Universität Regensburg)
* [https://www.uni-frankfurt.de/97296662/FB_10___%C3%84ltere_deutsche_Literatur Ältere deutsche Literatur] | Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
* [https://idsl1.phil-fak.uni-koeln.de/abteilungen/aeltere-deutsche-sprache-und-literatur Ältere deutsche Sprache und Literatur] | Institut für ältere deutsche Sprache und Literatur an der Universität zu Köln


Die altgermanistischen Sprachstudien konzentrieren sich auf die Untersuchung der germanischen Sprachen in ihren ältesten belegten Stadien und ihrer Entwicklung aus dem indogermanischen Sprachverband. Im Zentrum steht dabei die Erforschung des hypothetischen Urgermanischen, das als gemeinsame Vorstufe aller späteren germanischen Einzelsprachen rekonstruiert wird. Die Rekonstruktion erfolgt anhand der vergleichenden Analyse der belegten altgermanischen Sprachen sowie unter Berücksichtigung der indogermanischen Etymologie. Von besonderer Bedeutung sind dabei die germanische Lautverschiebung, die den Übergang vom Urindogermanischen zum Urgermanischen markiert, sowie die späteren spezifischen Lautwandelprozesse in den einzelnen Sprachen. Die ältesten schriftlichen Denkmäler bilden das gotische Bibelübersetzungswerk des Wulfila aus dem 4. Jahrhundert, die altnordische Edda-Literatur, althochdeutsche Glossen und altsächsische Dichtungen. Auch Runeninschriften aus dem 2. bis 8. Jahrhundert liefern wertvolle Zeugnisse für die Sprachstufen vor und während der Christianisierung germanischer Gebiete. Die altgermanistische Sprachwissenschaft befasst sich ferner mit der Morphologie, der Syntax und dem Wortschatz dieser Sprachen und deren diachroner Entwicklung bis zum Hochmittelalter.
== Literaturverzeichnis ==
* [https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=nid%3D4142065-2 Altgermanistik] | Katalog der Deutschen Nationalbibliothek


== Literaturwissenschaftliche Aspekte ==
* [https://opacplus.bsb-muenchen.de/discovery/search?query=any,contains,Altgermanistik&tab=LibraryCatalog&search_scope=MyInstitution&vid=49BVB_BSB:VU1&offset=0 Altgermanistik] | Bayerische Staatsbibliothek


Die literaturwissenschaftliche Altgermanistik widmet sich der Analyse, Interpretation und Edition der literarischen Überlieferungen der altgermanischen Sprachen. Zu den wichtigsten Texten zählen das altnordische Heldenepos „Beowulf“, das althochdeutsche „Hildebrandslied“, das altsächsische „Heliand“, die altnordische Edda, zahlreiche Runeninschriften mit poetischen Formeln sowie Spruch- und Zaubersprüche aus verschiedenen Regionen des germanischen Siedlungsraums. Ein besonderes Forschungsinteresse gilt den Gattungsformen der altgermanischen Literatur, darunter Heldendichtung, Spruchdichtung, religiöse Hymnen und mythologische Erzählungen. Die Erschließung dieser Texte erfolgt auf Grundlage historisch-kritischer Editionen, die seit dem 19. Jahrhundert von bedeutenden Philologen wie Karl Müllenhoff, Elias Wessén und Andreas Heusler erstellt wurden. Moderne literaturwissenschaftliche Ansätze analysieren die altgermanischen Texte zudem unter narratologischen, poetologischen und kultursemiotischen Gesichtspunkten und untersuchen die Funktionen von mündlicher Überlieferung, Performanz und kollektiver Erinnerung in der vormodernen germanischen Gesellschaft.
* Bein, Thomas: ''Altgermanistische Editionswissenschaft'', 1995.[https://opacplus.bsb-muenchen.de/discovery/fulldisplay?docid=alma991086642549707356&context=L&vid=49BVB_BSB:VU1&lang=de&search_scope=MyInst_and_CI&adaptor=Local%20Search%20Engine&tab=Everything&query=creator,exact,%20Bein,%20Thomas,AND&facet=creator,exact,%20Bein,%20Thomas&mode=advanced&offset=0]


== Kultur- und Religionsgeschichte ==
== Weblinks ==
{{Wikipedia|Germanistik}}
{{Wikipedia|Germanistische Mediävistik}}
{{Wikipedia|Sprachwissenschaft}}
{{Wikipedia|Geschichte der Sprachwissenschaft}}
{{Wikipedia|Historische Linguistik}}
{{Wikipedia|Genetische Verwandtschaft (Linguistik)}}
{{Wikipedia|Stammbaumtheorie}}


Ein weiterer bedeutender Aufgabenbereich der Altgermanistik ist die Erforschung der geistigen, materiellen und sozialen Kultur der germanischen Völker der Spätantike und des Frühmittelalters. Die Disziplin untersucht die Überlieferungen zu religiösen Vorstellungen, Mythen, Kultpraktiken und Rechtsauffassungen der Germanen anhand literarischer, epigraphischer und archäologischer Quellen. Dazu zählen etwa Berichte antiker Autoren wie Tacitus’ „Germania“, die mythologischen Erzählungen der Edda sowie archäologische Funde wie Runensteine, Gräber und Opferplätze. Die altgermanistische Religionsforschung widmet sich der Rekonstruktion des vorchristlichen Pantheons, der Götter- und Heldenvorstellungen, der Jenseitsvorstellungen und Opferbräuche sowie der Überlieferung von Mythenzyklen und Heiligtümern. Dabei werden sowohl literarische als auch materielle Quellen unter interdisziplinärer Einbeziehung der Archäologie, Religionsgeschichte und Anthropologie ausgewertet. Die Rechts- und Sozialgeschichte der Germanen, dokumentiert in frühen Rechtstexten wie dem „Lex Salica“ und dem „Sachsenspiegel“, bildet ein weiteres Untersuchungsfeld, das Rückschlüsse auf Gesellschaftsstruktur, Normensysteme und Herrschaftsformen ermöglicht.
== Anmerkungen, Begriffserklärungen und sonstige Fußnoten ==
<references />


== Institutionelle Verankerung und gegenwärtige Forschung ==
[[Kategorie:Selbststudium]]
 
[[Kategorie:Wikiscience]]
Die Altgermanistik ist an zahlreichen Universitäten im deutschsprachigen und skandinavischen Raum sowie in Großbritannien und Nordamerika als Teilbereich der Germanistik oder der Mediävistik institutionalisiert. In Deutschland bestehen altgermanistische Professuren und Forschungsstellen an traditionsreichen Standorten wie Göttingen, Heidelberg, München und Berlin. Internationale Bedeutung besitzen Institute in Kopenhagen, Oslo, Reykjavík, Cambridge und Oxford. Die altgermanistische Forschung ist durch eine enge Vernetzung mit Nachbardisziplinen wie der Indogermanistik, Skandinavistik, Runologie, Archäologie und Frühmittelalterarchäologie geprägt. Bedeutende Fachzeitschriften und Publikationsorgane sind unter anderem die „Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur“, das „Germanische Altertumskunde Online“ und die „Saga-Book of the Viking Society“. Gegenwärtige Forschungsthemen umfassen die Digitalisierung altgermanischer Textcorpora, die Untersuchung von Performanz und Oralität in der frühmittelalterlichen Literatur, die Neubewertung der Christianisierung germanischer Gemeinschaften sowie die Rolle altgermanischer Überlieferungen in der europäischen Literatur- und Ideengeschichte. Besonders intensiv wird derzeit die kultursemiotische und religionsgeschichtliche Kontextualisierung von Mythen und Ritualen der Germanen unter Einbeziehung archäologischer Funde und ikonographischer Zeugnisse betrieben, wobei digitale Methoden und interdisziplinäre Ansätze eine wachsende Rolle einnehmen.
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== Siehe auch ==
* [[Germanistik]]
+ [[Germanologie]]
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Version vom 7. November 2025, 18:08 Uhr

Einleitung in die Altgermanisik

Im Selbststudium[1] der Altgermanistik begibt man sich auf eine spannende Entdeckungsreise in die Geschichte und Entwicklung der germanischen Sprachen[2] – von ihren Ursprüngen bis zur heutigen deutschen Sprache[3]. Man taucht dabei tief in die Welt des Urgermanischen[4] ein und verfolgt, wie sich diese gemeinsame Sprachwurzel Schritt für Schritt zu unterschiedlichen alten Sprachformen wie dem Gotischen[5], Althochdeutschen[6] oder Altnordischen[7] ausgebildet hat, aus denen schließlich das moderne Deutsch hervorging. Dieses Selbststudium ist nicht nur eine Beschäftigung mit alten Wörtern und Grammatikregeln, sondern auch ein Blick darauf, wie Sprache und Geschichte sich gegenseitig geprägt und verändert haben – ein Zusammenspiel, das die Vergangenheit lebendig werden lässt und die eigene Verbindung zu den sprachlichen Wurzeln Europas spürbar macht.

Im Selbststudium kann man eigene Schwerpunkte setzen. Man kann zum Beispiel die alten Runen[8] lernen, die ältesten Texte lesen und übersetzen oder die Sprachformen miteinander vergleichen. Dabei stößt man auch auf die faszinierende Welt der mündlichen Überlieferungen, wie sie bei den germanischen Völkern üblich waren, bevor diese in Schriftform festgehalten wurden – etwa durch die Goten[9] oder Franken[10].

Die ältesten schriftlichen Zeugnisse, wie die gotische Wulfilabibel[11] des Bischofs Wulfila[12] oder die ersten althochdeutschen Texte, sind nicht nur sprachlich interessant. Sie geben auch Einblicke in die Kultur, die Glaubensvorstellungen und die Gesellschaft dieser Zeit. Die Altgermanistik verbindet also Sprachgeschichte mit Kulturgeschichte und ermöglicht es, die Wurzeln unserer Sprache und Kultur besser zu verstehen.

Beschreibung und Geschichte der Altgermanistik

Die Altgermanistik ist ein Teilbereich der Germanistik[13], der sich wissenschaftlich mit der ältesten überlieferten Sprach- und Literaturgeschichte der germanischen Völker befasst. Sie untersucht die germanischen Sprachen in ihrer ältesten Form, also insbesondere das Althochdeutsche, Altsächsische[14], Altenglische[15], Altnordische (einschließlich Altisländisch[16] und Altnorwegisch[17]), Gotische sowie andere frühgermanische Sprachstufen. Dabei steht nicht nur die Sprachstruktur im Vordergrund, sondern auch die Literatur dieser Epochen, etwa Heldendichtung, Rechtstexte, religiöse Schriften und Runeninschriften.

Die Altgermanistik ist eng mit der historischen Sprachwissenschaft, der Germanistischen Mediävistik und der Runologie[18] verbunden. Sie befasst sich mit der Rekonstruktion der Sprachentwicklung vom Urgermanischen über die einzelnen frühgermanischen Sprachen bis hin zu den mittleren und neueren Sprachstufen. Dabei werden philologische Methoden angewandt, um Texte kritisch zu edieren, zu übersetzen und in ihrem historischen, kulturellen und mythologischen Kontext zu interpretieren.

Ursprünglich entstand die Altgermanistik im 19. Jahrhundert im Zuge der romantischen und nationalphilologischen Bewegungen, die ein besonderes Interesse an der Herkunft und den kulturellen Wurzeln der deutschen und anderer germanischer Völker hatten. Bedeutende Vertreter waren Jacob und Wilhelm Grimm[19], die nicht nur Märchensammler, sondern auch maßgebliche Sprachwissenschaftler und Herausgeber altgermanischer Texte waren. Bis heute bildet die Altgermanistik einen wichtigen Bestandteil der germanistischen Forschung, besonders im Hinblick auf die Bewahrung und das Verständnis der ältesten literarischen Zeugnisse germanischer Kulturen.

Lehr- und Lernmaterialien für das Selbststudium

Literaturverzeichnis

  • Bein, Thomas: Altgermanistische Editionswissenschaft, 1995.[1]

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Anmerkungen, Begriffserklärungen und sonstige Fußnoten

  1. Begriffserklärung: Der Begriff Selbststudium bezeichnet eine Lernform, bei der eine Person Wissen, Fähigkeiten oder Kompetenzen eigenständig und unabhängig von formalen Unterrichtsangeboten erwirbt. Es erfolgt selbstgesteuert, wobei Lerninhalte, Tempo und Methoden meist individuell gewählt werden. Ziel des Selbststudiums ist es, sich selbstständig Wissen anzueignen, Verständnis zu vertiefen oder persönliche Lernziele zu erreichen.
  2. Germanische Sprachen | Wikipedia
  3. Deutsche Sprache | Wikipedia
  4. Urgermanische Sprache | Wikipedia
  5. Gotische Sprache | Wikipedia
  6. Althochdeutsche_Sprache | Wikipedia
  7. Altnordische Sprache | Wikipedia
  8. Runen | Wikipedia
  9. Goten | Wikipedia
  10. Franken (Volk) | Wikipedia
  11. Wulfilabibel | Wikipedia
  12. Wulfila | Wikipedia
  13. Germanistik | Wikipedia
  14. Altsächsische Sprache | Wikipedia
  15. Altenglisch | Wikipedia
  16. Altisländische Sprache | Wikipedia
  17. Altnorwegische Sprache | Wikipedia
  18. Runologie | Wikipedia
  19. Brüder Grimm | Wikipedia