Diabetes mellitus Typ 3c
Der Diabetes mellitus Typ 3c, auch als pankreopriver Diabetes oder pankreatogener Diabetes bezeichnet, ist eine spezielle Form des Diabetes mellitus, die infolge von Erkrankungen oder Schädigungen der Bauchspeicheldrüse entsteht. Er wird der Gruppe der sekundären Diabetesformen zugeordnet und unterscheidet sich in Ursache, Pathophysiologie und Therapie deutlich von den häufigeren Typen 1 und 2.
Definition und Einordnung
Der Diabetes mellitus Typ 3c entsteht durch eine strukturelle oder funktionelle Schädigung des exokrinen und endokrinen Pankreas. Die insulinproduzierenden Betazellen sind dabei direkt betroffen oder werden im Verlauf der Grunderkrankung zerstört. Typische Ursachen sind chronische Pankreatitis, Pankreastumoren, operative Teil- oder Komplettentfernungen der Bauchspeicheldrüse, Mukoviszidose sowie schwere akute Pankreatitiden. In der internationalen Klassifikation wird Typ 3c häufig unzureichend abgegrenzt und nicht selten fälschlich als Typ 2 klassifiziert.
Epidemiologie
Die genaue Häufigkeit des Diabetes mellitus Typ 3c ist schwer zu bestimmen, da er in der klinischen Praxis oft nicht korrekt diagnostiziert wird. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent aller Diabeteserkrankungen pankreatogenen Ursprungs sind. Besonders häufig tritt diese Form bei Menschen mit langjähriger chronischer Pankreatitis auf, wobei der Anteil im Krankheitsverlauf deutlich zunimmt.
Pathophysiologie
Im Gegensatz zum Diabetes mellitus Typ 1 liegt beim Typ 3c keine autoimmun bedingte Zerstörung der Betazellen vor. Stattdessen kommt es durch entzündliche, tumoröse oder chirurgische Prozesse zu einem fortschreitenden Verlust der insulinproduzierenden Zellen. Zusätzlich ist häufig auch die Produktion anderer pankreatischer Hormone wie Glukagon vermindert. Dadurch ist nicht nur die Insulinsekretion gestört, sondern auch die hormonelle Gegenregulation bei Hypoglykämien eingeschränkt. Parallel besteht meist eine exokrine Pankreasinsuffizienz mit verminderter Verdauungsenzymproduktion, was den Stoffwechsel zusätzlich beeinflusst.
Klinische Symptome
Die Symptome des Diabetes mellitus Typ 3c ähneln denen anderer Diabetesformen und umfassen Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust und Müdigkeit. Charakteristisch ist jedoch eine erhöhte Neigung zu Unterzuckerungen, da die Glukagonantwort abgeschwächt ist. Zusätzlich treten häufig Zeichen einer Fettmalabsorption auf, darunter Durchfälle, Blähungen und Gewichtsverlust, bedingt durch den Mangel an Verdauungsenzymen.
Diagnostik
Die Diagnosestellung erfordert neben dem Nachweis einer diabetischen Stoffwechsellage auch den Nachweis einer zugrunde liegenden Pankreaserkrankung. Bildgebende Verfahren wie Sonographie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie dienen dem Nachweis struktureller Veränderungen des Pankreas. Laborchemisch finden sich Hinweise auf eine eingeschränkte exokrine Funktion, etwa durch erniedrigte Pankreaselastase im Stuhl. Wichtig ist die Abgrenzung zu Typ 1 und Typ 2, insbesondere durch das Fehlen von Autoantikörpern und das häufige Vorliegen einer exokrinen Insuffizienz.
Therapie
Die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 3c richtet sich nach dem Ausmaß der endokrinen und exokrinen Funktionsstörung. In frühen Stadien können orale Antidiabetika eingesetzt werden, wobei Metformin bevorzugt wird, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Im weiteren Verlauf ist jedoch häufig eine Insulintherapie erforderlich. Parallel ist eine Substitution von Pankreasenzymen essenziell, um die Nährstoffaufnahme zu verbessern und Stoffwechselschwankungen zu reduzieren. Eine angepasste Ernährung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind zentrale Bestandteile der Therapie.
Prognose und Bedeutung
Die Prognose hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Pankreaserkrankung ab. Komplikationen entsprechen grundsätzlich denen anderer Diabetesformen, wobei das Risiko schwerer Hypoglykämien erhöht ist. Eine korrekte Diagnose ist entscheidend, da sich Therapie und Verlauf deutlich von Typ 2 unterscheiden.
Insgesamt stellt der Diabetes mellitus Typ 3c eine eigenständige, klinisch bedeutsame Diabetesform dar, die häufig unterschätzt und fehldiagnostiziert wird und eine gezielte diagnostische Abklärung sowie eine individuell angepasste Therapie erfordert.
Siehe auch
- Wikipedia:de: Diabetes mellitus
- Wikipedia:de: Pankreatitis
- Wikipedia:de: Exokrine Pankreasinsuffizienz
- Scientia.wiki: Portal:Medizin
- Nächtliche Hypoglykämien bei Diabetes mellitus in den frühen Morgenstunden
Wissenschaftliche Sekundärquellen
- Pankreas-Diabetes: Häufig fehldiagnostiziert | Deutsches Ärzteblatt, 2018. Abgerufen am 6. Januar 2026.