Interstellare Besucher – mit und ohne Schweif

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Interstellare Besucher – mit und ohne Schweif

Komet 3I/ATLAS

Der Komet 3I/ATLAS ist das dritte bekannte Objekt, das aus einem anderen Sternsystem in das Sonnensystem eingetreten ist. Sein Erscheinen löste großes Interesse in der astronomischen Forschung aus, da er neue Hinweise auf den Ursprung und die Entwicklung solcher Körper liefern kann.

Kometen sind kleine Himmelskörper, die aus Eis, Staub und Gestein bestehen. Sie bewegen sich auf stark elliptischen Bahnen um die Sonne. Wenn sie sich der Sonne nähern, erwärmt die Strahlung ihr Eis, wodurch Gas und Staub austreten. Diese Stoffe bilden den typischen Schweif eines Kometen.

Der niederländische Astronom Jan Oort schlug im Jahr 1950 vor, dass diese Körper aus einem riesigen Vorrat eisiger Objekte stammen, der die äußersten Bereiche des Sonnensystems umgibt. Dieses Gebiet wird heute als Oortsche Wolke bezeichnet.

Nach heutigen Erkenntnissen besteht die Oortsche Wolke aus zwei Hauptbereichen:

  • einer äußeren kugelförmigen Zone in einer Entfernung von etwa 20.000 bis 50.000 AE von der Sonne,
  • einer inneren, scheibenförmigen Region, die sich von etwa 2.000 bis 20.000 AE erstreckt.

Zwischen der Bahn des Neptun bei 30 AE und etwa 55 AE befindet sich der Kuipergürtel, der zahlreiche kleinere Himmelskörper enthält. Zu ihnen zählt auch der Zwergplanet Pluto. Der Kuipergürtel markiert die Grenze des eigentlichen Sonnensystems, während die Oortsche Wolke weiter außen liegt und es umgibt.

Die äußerste Grenze der Oortschen Wolke reicht etwa 20 % der Entfernung bis zum nächstgelegenen Sternsystem Alpha Centauri. Es wird angenommen, dass auch andere Sterne ähnliche Wolken besitzen. Einzelne Körper können durch Gravitationsstörungen aus diesen Wolken geschleudert und so in den interstellaren Raum freigesetzt werden.

Wenn solche Objekte in unser Sonnensystem eintreten, nennt man sie interstellare Objekte. Sie unterscheiden sich von gewöhnlichen Kometen dadurch, dass sie hyperbolische Bahnen besitzen und somit nicht durch die Gravitation der Sonne gebunden sind.

Das erste bekannte interstellare Objekt wurde 2017 mit dem Pan-STARRS-Teleskop entdeckt. Es erhielt die Bezeichnung 1I/ʻOumuamua (hawaiianisch für „Kundschafter“). ʻOumuamua zeigte ungewöhnliche Eigenschaften: Es besaß keinen sichtbaren Schweif, obwohl seine Bahn auf nicht-gravitative Kräfte hindeutete. Außerdem schwankte seine Helligkeit stark, was auf eine unregelmäßige Form hinweist. Einige Forscher vermuteten, dass es sich um künstliches Material handeln könnte, diese Annahme wurde aber später verworfen.

2019 wurde mit dem Teleskop des Amateurastronomen Gennady Borisov ein zweites interstellares Objekt entdeckt, das den Namen 2I/Borisov erhielt. Im Gegensatz zu ʻOumuamua zeigte es einen deutlichen Schweif und verhielt sich wie ein normaler Komet.

Im Jahr 2025 wurde 3I/ATLAS als drittes interstellares Objekt entdeckt. Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops zeigen, dass der Komet sowohl einen Schweif als auch einen sogenannten Gegenschweif besitzt – eine Struktur, die zur Sonne hin zeigt. Solche Gegenschweife sind nicht ungewöhnlich und entstehen durch die Wechselwirkung des Sonnenlichts mit den ausgestoßenen Teilchen.

3I/ATLAS wurde während der Testphase des Rubin-Observatoriums beobachtet, das mit dem Simonyi Survey Telescope ausgestattet ist. Das Observatorium gilt als besonders geeignet, um weitere interstellare Objekte zu entdecken.

Die Entdeckung interstellarer Kometen liefert wertvolle Informationen über den Aufbau anderer Planetensysteme. Aus bisherigen Beobachtungen wird geschätzt, dass es in der Milchstraße möglicherweise bis zu 10²⁶ ähnliche eisige Körper geben könnte. Diese Funde helfen, die Entstehung von Planetensystemen besser zu verstehen und den Austausch von Materie zwischen Sternsystemen zu erforschen.

Wissenschaftliche Primärquellen