Jugend forscht

Aus scientia.wiki
Version vom 17. November 2025, 10:26 Uhr von Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich) (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Jugend forscht (Eine Analyse des deutschen Nachwuchswettbewerbs in Naturwissenschaft und Technik)

Logo von Jugend forscht

Abstract

Der Schüler- und Jugendwettbewerb Jugend forscht gilt als das bedeutendste Förderprogramm für naturwissenschaftlich und technisch interessierte Jugendliche in Deutschland. Seit seiner Gründung im Jahr 1965 durch Henri Nannen hat sich der Wettbewerb zu einem festen Bestandteil der deutschen Forschungslandschaft entwickelt. Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur, die organisatorischen Grundlagen, die Teilnahmebedingungen sowie die pädagogische und wissenschaftliche Bedeutung des Wettbewerbs. Darüber hinaus werden die Entwicklung der Teilnehmerzahlen, regionale Besonderheiten und die Rolle der Stiftung Jugend forscht e. V. als Trägerorganisation analysiert. Ziel der Untersuchung ist es, den Beitrag von Jugend forscht zur Förderung junger Talente in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu bewerten und mögliche zukünftige Entwicklungen aufzuzeigen.

Einleitung

Jugend forscht (informell: Jufo) ist der bekannteste deutsche Nachwuchswettbewerb im Bereich Naturwissenschaft und Technik. Er richtet sich an Schüler, Auszubildende und Studierende bis zu einem Alter von 21 Jahren. Ziel des Wettbewerbs ist es, junge Menschen für wissenschaftliches Arbeiten zu begeistern, kreatives Denken zu fördern und den Austausch zwischen Schule, Wissenschaft und Wirtschaft zu stärken. Seit seiner Gründung im Jahr 1965 durch den damaligen Stern-Chefredakteur Henri Nannen wird der Wettbewerb von der Stiftung Jugend forscht e. V. organisiert. Die Wettbewerbe finden jährlich auf Regional-, Landes- und Bundesebene statt.

Aufbau und Ablauf des Wettbewerbs

Der Wettbewerb gliedert sich in drei Stufen: Regional-, Landes- und Bundeswettbewerb. Jede eingereichte Arbeit wird zunächst auf Regionalebene zugelassen, sofern sie den Wettbewerbsregeln entspricht. Die besten Projekte qualifizieren sich für die Landesebene, deren Sieger wiederum am Bundeswettbewerb teilnehmen.

In jedem Fachgebiet bewertet eine spezialisierte Jury die eingereichten Arbeiten. Auf Bundesebene werden viele Arbeiten vorab von Forschungseinrichtungen und Universitäten begutachtet, um eine fachlich fundierte Beurteilung sicherzustellen. Zu den Fachgebieten gehören:

  • Arbeitswelt
  • Biologie
  • Chemie
  • Geo- und Raumwissenschaften
  • Mathematik/Informatik
  • Physik
  • Technik

Zudem werden interdisziplinäre Projekte mit Sonderpreisen ausgezeichnet, um die Verbindung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu fördern.

Teilnahmebedingungen

Teilnehmen können Einzelpersonen oder Gruppen mit bis zu drei Mitgliedern. Die Altersgrenze liegt bei 21 Jahren, wobei Studierende nur in den ersten beiden Semestern zugelassen sind. Für jüngere Teilnehmer unter 15 Jahren besteht die separate Sparte Jugend forscht junior (ehemals Schüler experimentieren). Die Zuordnung zur jeweiligen Alterskategorie richtet sich nach dem Alter des ältesten Gruppenmitglieds.

Teilnehmer können ihre Projekte nur in der Region einreichen, in der sie wohnen, zur Schule gehen oder eine Ausbildung absolvieren. Auch deutsche Schulen im Ausland können teilnehmen. Seit der Wettbewerbsrunde 2025 wird zudem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Projektbearbeitung erfasst und bei der Jurybewertung berücksichtigt.

Preise und Auszeichnungen

Die Auszeichnungen bei Jugend forscht reichen von Geld- und Sachpreisen über Praktika bis hin zu Forschungsreisen. Auf Bundesebene werden zusätzlich besondere Preise verliehen, darunter:

  • der Preis des Bundespräsidenten für die außergewöhnlichste Arbeit,
  • der Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit und
  • der Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die beste interdisziplinäre Arbeit.

Zudem können herausragende Projekte für den europäischen Wettbewerb European Union Contest for Young Scientists nominiert werden. Einige Bundesländer erkennen Erfolge bei Jugend forscht als besondere Lernleistung an, die im Abiturzeugnis vermerkt werden kann.

Entwicklung und Beteiligungszahlen

Im Jahr 1966 verzeichnete der Wettbewerb 244 Anmeldungen. Bis 2014 stieg diese Zahl auf über 12.000. Besonders stark vertreten waren dabei die Fachgebiete Biologie, Technik und Chemie. Jährlich nehmen über 10.000 Jugendliche mit mehr als 5.000 Projekten teil. Etwa 200 Teilnehmer erreichen die Bundesebene, aus denen rund zehn Bundessieger hervorgehen.

Jugend forscht junior

Seit 2025 ersetzt Jugend forscht junior die bisherige Marke Schüler experimentieren. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre. Ziel dieser Umbenennung ist eine Vereinheitlichung der Markenstruktur und eine engere Verbindung zwischen beiden Wettbewerben. Besonders herausragende Projekte können auf Regionalebene in die Hauptkategorie Jugend forscht hochgestuft werden.

Regionale Besonderheiten

Die Organisation des Wettbewerbs variiert zwischen den Bundesländern. So finden beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern nur Landeswettbewerbe statt, während Bremen drei Regionalwettbewerbe ausrichtet. Ehemalige Teilnehmer wirken als Juryberater und unterstützen die Jury mit ihrer Erfahrung. Besonders große Wettbewerbe finden in Bremen-Mitte und Bayern statt.

Die Stiftung Jugend forscht e. V.

Träger des Wettbewerbs ist die Stiftung Jugend forscht e. V., die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie von Partnerunternehmen finanziert wird. Die Stiftung koordiniert die Wettbewerbe, betreut die Patenunternehmen und organisiert Preisverleihungen. Seit 2024 wird die Stiftung von Jessica Bönsch geleitet.

Die Stiftung dokumentiert alle Sieger des Bundeswettbewerbs in einer öffentlichen Datenbank. Zudem erscheinen ausgewählte Arbeiten in der Zeitschrift Junge Wissenschaft, die einem wissenschaftlichen Peer-Review-Verfahren unterliegt und in wissenschaftlichen Datenbanken gelistet ist.

Ehemalige Teilnehmer und das juFORUM

Das Deutsche Jungforschernetzwerk – juFORUM e. V. wurde im Jahr 2000 von zwölf ehemaligen Teilnehmern gegründet. Es dient der Vernetzung junger Forschender und organisiert regelmäßig Treffen und Veranstaltungen. Damit trägt das Netzwerk dazu bei, die durch Jugend forscht entstandenen Kontakte langfristig zu erhalten und den wissenschaftlichen Austausch unter Nachwuchstalenten zu fördern.

Bedeutung und Perspektiven

Jugend forscht hat sich in fast sechs Jahrzehnten als zentrales Instrument der Nachwuchsförderung in Deutschland etabliert. Der Wettbewerb verbindet Schule, Wissenschaft und Wirtschaft auf einzigartige Weise und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung zukünftiger Forscherinnen und Forscher. Die Einführung von KI-bezogenen Fragestellungen ab 2025 zeigt, dass der Wettbewerb bereit ist, sich an aktuelle wissenschaftliche und technologische Entwicklungen anzupassen.

Zukünftig dürfte Jugend forscht eine noch stärkere Rolle bei der Förderung interdisziplinärer und digital gestützter Forschung spielen. Damit bleibt der Wettbewerb ein entscheidendes Bindeglied zwischen Bildung, Wissenschaft und Innovation.

Schlussfolgerung

Der Wettbewerb Jugend forscht stellt ein Erfolgsmodell zur Förderung naturwissenschaftlicher und technischer Talente dar. Durch seine Struktur, seine fachliche Tiefe und seine enge Vernetzung mit wissenschaftlichen Institutionen trägt er wesentlich zur Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland bei.

Siehe auch

Informationen im Internet

Begleitende Schulen: