Barbaren

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Barbaren ist eine Bezeichnung, die in der Antike von den Griechen und später von den Römern verwendet wurde, um Menschen zu beschreiben, die nicht ihrer eigenen kulturellen und sprachlichen Gemeinschaft angehörten. Der Begriff stammt vom altgriechischen Wort „bárbaros“, das ursprünglich alle Nichtgriechen bezeichnete und dabei insbesondere die als unverständlich wahrgenommenen Sprachen anderer Völker imitieren sollte. Im Verlauf der Geschichte entwickelte sich die Bedeutung des Begriffs weiter und wurde zunehmend mit kultureller Rückständigkeit, mangelnder Zivilisation und Fremdheit assoziiert. Die Verwendung des Begriffs „Barbaren“ ist eng mit der Herausbildung ethnischer und kultureller Identitäten in der Antike und darüber hinaus verbunden.

Ursprung und Bedeutung in der griechischen Welt

Der Begriff „bárbaros“ wurde von den Griechen ursprünglich dazu genutzt, um Menschen zu bezeichnen, die nicht Griechisch sprachen. Die Bezeichnung hatte zunächst keine abwertende Konnotation, sondern diente lediglich der Unterscheidung zwischen Griechen und Nichtgriechen. Für die Griechen war ihre eigene Sprache, das Griechische, ein zentrales Merkmal ihrer Identität, und der Begriff „bárbaros“ drückte die Wahrnehmung aus, dass die Sprachen anderer Völker unverständlich und klanglich minderwertig erschienen. Diese sprachliche Abgrenzung spiegelte die kulturelle Trennlinie wider, die die Griechen zwischen sich und anderen Völkern zogen.

Mit der Ausbreitung des griechischen Einflusses und den politischen Konflikten, insbesondere während der Perserkriege von 500 bis 449 v. Chr., erfuhr der Begriff eine Veränderung. Die Perser, die als größte Gegner der Griechen wahrgenommen wurden, wurden zunehmend mit dem Begriff „Barbaren“ identifiziert. In diesem Zusammenhang begann der Begriff eine negative Bedeutung zu erhalten, da die Griechen die Perser als despotisch, unmoralisch und kulturell minderwertig darstellten. Diese Abwertung der „Barbaren“ diente der Stärkung der eigenen kulturellen Identität und der Rechtfertigung der griechischen Werte von Freiheit, Rationalität und Demokratie.

Verwendung und Entwicklung in der römischen Welt

Die Römer übernahmen den Begriff „Barbaren“ von den Griechen und passten ihn ihren eigenen kulturellen und politischen Bedürfnissen an. In der römischen Welt bezeichnete der Begriff zunächst alle Völker, die außerhalb der römischen Grenzen lebten und nicht der römischen Zivilisation angehörten. Zu diesen Völkern zählten unter anderem die Gallier, Germanen, Skythen und Parther. Die Römer betrachteten sich selbst als Hüter der Zivilisation, während sie die Barbaren als wild, unzivilisiert und bedrohlich darstellten.

Besonders in der Spätantike wurde der Begriff „Barbaren“ zunehmend mit den germanischen Stämmen in Verbindung gebracht, die an den Grenzen des Römischen Reiches lebten und in dessen Territorium eindrangen. Diese Völker, darunter die Goten, Vandalen und Hunnen, wurden in römischen Quellen oft als destruktive Kräfte dargestellt, die das Reich bedrohten und letztlich zu seinem Fall beitrugen. Gleichzeitig war der Kontakt zwischen Römern und Barbaren nicht ausschließlich durch Konflikte geprägt, sondern auch durch kulturellen Austausch und Integration. Viele Barbarenführer traten in den Dienst des Römischen Reiches, und barbarische Krieger wurden zu wichtigen Bestandteilen der römischen Armeen.

Barbaren in der mittelalterlichen und neuzeitlichen Wahrnehmung

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 n. Chr. blieb die Vorstellung von „Barbaren“ in der europäischen Geschichtsschreibung und Kultur präsent. Im Mittelalter wurden die germanischen Königreiche, die auf den Ruinen des römischen Reiches entstanden, oft als barbarisch angesehen, insbesondere in den Augen der byzantinischen Historiker, die sich selbst als Erben der römischen Zivilisation betrachteten. Gleichzeitig wurde der Begriff „Barbaren“ auch auf andere nichtchristliche Völker ausgeweitet, darunter die Wikinger, die Ungarn und die islamischen Eroberer.

In der frühen Neuzeit diente der Begriff zunehmend der Beschreibung von Völkern außerhalb Europas, die von den europäischen Entdeckern und Kolonisatoren als kulturell und technologisch rückständig wahrgenommen wurden. Diese Anwendung des Begriffs spiegelte die eurozentrische Perspektive der Kolonialmächte wider, die ihre eigene Zivilisation als überlegen betrachteten und die Kolonisation als Mission zur „Zivilisierung der Barbaren“ rechtfertigten.

Moderne Bedeutung und kritische Reflexion

In der modernen Geschichtswissenschaft und Anthropologie wird der Begriff „Barbaren“ kritisch hinterfragt und weitgehend als unsachgemäße und eurozentrische Bezeichnung abgelehnt. Historiker und Ethnologen betonen, dass die Verwendung des Begriffs oft von Vorurteilen und Machtstrukturen geprägt war und die komplexen Kulturen und Gesellschaften der so bezeichneten Völker nicht angemessen erfasst. Insbesondere die Forschung zur Antike hat gezeigt, dass die sogenannten „Barbaren“ oft hochentwickelte soziale, wirtschaftliche und kulturelle Strukturen besaßen, die von den Griechen und Römern entweder nicht verstanden oder bewusst abgewertet wurden.

Die moderne Verwendung des Begriffs beschränkt sich häufig auf literarische oder metaphorische Kontexte, in denen „Barbaren“ als Synonym für Wildheit, Unzivilisiertheit oder Bedrohung verwendet wird. Gleichzeitig bleibt der Begriff ein wichtiges Studienobjekt, das Aufschluss über die historischen Vorstellungen von Identität, Andersheit und kultureller Hierarchie bietet.

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