Urgeschichte

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Die Urgeschichte bezeichnet den Zeitraum in der Geschichte der Menschheit, der vor der schriftlichen Aufzeichnung von Ereignissen liegt. Sie umfasst die ersten Entwicklungsschritte der Menschheit und reicht bis zur Erfindung der Schrift, die etwa im 4. Jahrtausend v. Chr. begann. Dieser Zeitraum wird von verschiedenen Disziplinen wie Archäologie, Anthropologie und Paläontologie untersucht, die sich mit den frühesten menschlichen Kulturen und deren Lebensweisen befassen. Der Begriff „Urgeschichte“ wird hauptsächlich in Europa verwendet, während in anderen Regionen, insbesondere in Asien, Australien und Afrika, andere Zeitbegriffe wie „Prähistorie“ oder „Vorgeschichte“ gebräuchlich sind.

Anfänge der Menschheit

Die Urgeschichte beginnt mit der Entwicklung des Menschen, der vor Millionen von Jahren aus einer Reihe von Vorfahren entstand, die der Familie der Hominiden angehören. Der Übergang von den frühen Primaten zu den ersten menschenähnlichen Wesen, den Hominiden, vollzog sich über einen langen Zeitraum hinweg. Frühe Vertreter dieser Hominiden, wie der Australopithecus, lebten vor etwa 4 bis 2 Millionen Jahren. Diese frühen Formen des Menschen besaßen noch nicht alle Merkmale des modernen Homo sapiens, entwickelten jedoch bereits einige der grundlegenden Eigenschaften, die den Menschen von anderen Tieren unterscheiden, wie die Fähigkeit zur aufrechten Gangart und die Nutzung von Werkzeugen.

Mit dem Aufkommen des Homo habilis vor etwa 2 Millionen Jahren und später des Homo erectus, der vor etwa 1,9 Millionen bis 70.000 Jahren lebte, begannen sich die Hominiden weiter zu entwickeln. Diese frühen Menschen besaßen ein größeres Gehirn als ihre Vorfahren und konnten komplexere Werkzeuge herstellen. Der Homo erectus wanderte aus Afrika aus und besiedelte weite Teile Eurasiens, was auf eine zunehmende Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit zur Nutzung verschiedener Umwelten hindeutet.

Die Entwicklung des Homo sapiens, des modernen Menschen, erfolgte vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Diese Art war in der Lage, komplexe soziale Strukturen zu bilden, verbesserte Werkzeuge herzustellen und entwickelte die Fähigkeit zur symbolischen Kommunikation, die später zur Entwicklung der Sprache führte.

Altsteinzeit (Paläolithikum)

Die Altsteinzeit, auch als Paläolithikum bezeichnet, stellt den ersten großen Abschnitt der Urgeschichte dar und reicht von der Entstehung der ersten Hominiden vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis etwa 10.000 v. Chr. Sie ist durch die Verwendung von Steinwerkzeugen geprägt, die von den frühen Menschen zur Jagd, zum Sammeln von Nahrung und zum Schutz vor Gefahren genutzt wurden.

Während der Altsteinzeit lebten die Menschen als Jäger und Sammler und waren auf die natürlichen Ressourcen ihrer Umgebung angewiesen. Sie entwickelten eine Vielzahl von Werkzeugen, von einfachen Faustkeilen bis zu spezialisierteren Geräten wie Speerspitzen und Schabern. Diese Werkzeuge waren aus Stein, Holz und Knochen gefertigt und spiegeln die zunehmende Fähigkeit des Menschen wider, seine Umwelt zu beeinflussen und zu nutzen.

Die Menschen der Altsteinzeit lebten in kleinen Gruppen oder Stammesgemeinschaften und folgten einem nomadischen Lebensstil. Die Jagd auf große Tiere wie Mammuts und Bisons sowie das Sammeln von Pflanzen und Früchten bildeten die Grundlage ihrer Ernährung. Es gibt Hinweise darauf, dass die Altsteinzeitmenschen primitive religiöse Vorstellungen entwickelten, was sich in der Kunst und in rituellen Praktiken widerspiegelt. Die Höhlenmalereien von Altamira in Spanien und die Höhlen von Lascaux in Frankreich sind berühmte Beispiele für diese frühen Formen der Kunst.

Mittelsteinzeit (Mesolithikum)

Das Mesolithikum, oder die Mittelsteinzeit, stellt eine Übergangsphase zwischen der Altsteinzeit und der Jungsteinzeit dar und dauert in Europa etwa von 10.000 v. Chr. bis 5.000 v. Chr. In dieser Zeit begann der Mensch, sich zunehmend an die Veränderungen der Umwelt anzupassen, die nach dem Ende der letzten Eiszeit eintraten. Die warmen Klimabedingungen ermöglichten es, neue Lebensräume zu erschließen und eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten zu nutzen.

Die Menschen der Mittelsteinzeit lebten noch immer überwiegend als Jäger und Sammler, entwickelten jedoch neue Technologien und Strategien, um ihre Lebensweise zu optimieren. Es gab eine zunehmende Spezialisierung bei der Jagd und beim Fischfang. Neue Werkzeuge, wie Mikrolithen, kleine, scharfe Steinwerkzeuge, die in verschiedene Geräte integriert wurden, sind ein typisches Merkmal dieser Epoche. Die Menschen begannen, sich in relativ stabilen Siedlungen niederzulassen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den reichen Ressourcen von Flusstälern und Küstenregionen standen.

Die sozialen Strukturen wurden komplexer, und es gibt erste Anzeichen für die Entwicklung von Handelsnetzwerken, wobei auch die ersten Anzeichen von religiösen und rituellen Praktiken in Form von Bestattungsriten zu erkennen sind.

Jungsteinzeit (Neolithikum)

Die Jungsteinzeit oder das Neolithikum begann etwa 10.000 v. Chr. in Vorderasien und verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten über weite Teile der Erde. Sie markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Urgeschichte, da die Menschen begannen, sesshaft zu werden und Landwirtschaft zu betreiben. Diese Entwicklung wird als Neolithische Revolution bezeichnet und führte zu einem grundlegenden Wandel in der Lebensweise der Menschen.

Die Einführung der Landwirtschaft ermöglichte es den Menschen, Nahrungsmittel in größeren Mengen zu produzieren und sich in festen Siedlungen niederzulassen. Die ersten domestizierten Pflanzen waren Weizen, Gerste und Reis, während Tiere wie Schafe, Ziegen und Rinder domestiziert wurden. Diese Veränderungen führten zu einer stabileren Nahrungsversorgung, was wiederum das Wachstum von Siedlungen und die Entstehung komplexer sozialer Strukturen begünstigte.

Die Menschen der Jungsteinzeit begannen, fortschrittlichere Werkzeuge herzustellen, darunter Keramiken für die Aufbewahrung von Lebensmitteln und landwirtschaftliche Geräte wie Pflüge und Mühlen. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Dörfer und frühen Städte. Die neolithischen Menschen entwickelten eine zunehmend differenzierte Gesellschaft, in der Arbeitsteilung und Hierarchien erkennbar wurden. Die Architektur wurde zunehmend ausgeklügelter, und die Menschen begannen, monumentale Bauwerke wie Megalithanlagen zu errichten.

Die religiösen Praktiken wurden komplexer, und es gibt Hinweise auf frühe Formen von Schamanismus und Gottheitsverehrung. Diese Veränderungen und Innovationen bildeten die Grundlage für die Entwicklung der ersten Hochkulturen.

Entstehung von Schrift und frühen Hochkulturen

Die Urgeschichte endet mit der Erfindung der Schrift und der Entstehung der ersten Hochkulturen im 4. Jahrtausend v. Chr. In Mesopotamien, Ägypten, Indien und China wurden die ersten Formen der Schrift entwickelt, die eine Aufzeichnung von Ereignissen, Verwaltung und Wissen ermöglichten. Diese Entwicklung führte zur Entstehung von großen Reichen und zivilisierten Gesellschaften, die den Beginn der historischen Epoche markierten.

Die Entwicklung von Schriftzeichen und das Aufkommen komplexer politischer Strukturen waren eng miteinander verknüpft. Die ersten Hochkulturen, wie das alte Ägypten und das sumerische Mesopotamien, begannen, Monumente zu errichten, religiöse Texte zu verfassen und einflussreiche Systeme von Verwaltung und Gesetzgebung zu etablieren.

Mit der Entwicklung der Schrift und der Entstehung von Staaten, die in der Lage waren, größere Bevölkerungsgruppen zu organisieren und zu verwalten, ging die Menschheit von der Urgeschichte zur Geschichte über.

Geschichtswissenschaftliche Nachschlagewerke

Enzyklopädien & Lexika

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Literaturverzeichnis

  • Hermann Parzinger: Vor- und Frühgeschichte. In: Hans-Joachim Gehrke (Hrsg.): Die Welt vor 600. Frühe Zivilisationen (Geschichte der Welt, Band 1). C. H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-64101-5, S. 42–262
  • Hermann Parzinger: Die Kinder des Prometheus. Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift. 5., durchgesehene Auflage. C. H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-66657-5
  • Hans Jürgen Eggers: Einführung in die Vorgeschichte. Neu herausgegeben von Christof Krauskopf. Mit einem Nachwort von Claudia Theune. 6. Auflage, scrîpvaz, Schöneiche bei Berlin 2010, ISBN 978-3-942836-17-3. Mit einem Verzeichnis der Schriften von Hans Jürgen Eggers.
  • Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Atlas der Vorgeschichte. Europa von den ersten Menschen bis Christi Geburt. Theiss Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2105-3.[1]
  • Martin Kuckenburg: Vom Steinzeitlager zur Keltenstadt – Siedlungen der Vorgeschichte in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1446-8
  • Christiane Althoff: »Die Ergebnisse der vorgeschichtlichen Forschung sind das alte Testament des deutschen Volkes«. Ur- und Frühgeschichte in den Schulen des Dritten Reiches. In: Christiane Althoff/Jochen Löher/Rüdiger Wulf (Hrsg.): Auch du gehörst dem Führer. „Nationalpolitische Erziehung“ in den Schulen der NS-Diktatur. Ein Buch zur Ausstellung im Westfälischen Schulmuseum Dortmund. Dortmund 2003, ISBN 3-00-005838-9
  1. siehe Peter Trebsche: Vorlage:Webarchiv. In: H-Soz-u-Kult, 11. Februar 2010