Stürmischer Mars: Neue Studie zeigt überraschend starke Winde und riesige Staubteufel
Stürmischer Mars: Neue Studie zeigt überraschend starke Winde und riesige Staubteufel



Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Bern hat herausgefunden, dass die Winde auf dem Mars viel stärker sind, als man bisher angenommen hatte. Sie können Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde erreichen und gehören damit zu den kräftigsten, die jemals auf dem Roten Planeten gemessen wurden. Diese Entdeckung ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung, bei der Bilddaten von zwei europäischen Marskameras ausgewertet wurden: der CaSSIS-Kamera der Universität Bern und der HRSC-Kamera des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens analysierten die Forschenden über 50.000 Satellitenaufnahmen, um sogenannte Staubteufel zu identifizieren. Dabei handelt es sich um rotierende Säulen aus Staub und Luft, die entstehen, wenn sich die Oberfläche des Mars durch Sonnenlicht stark erwärmt und dadurch Luftströmungen aufsteigen. Diese Staubwirbel sind auf den Aufnahmen deutlich sichtbar und eignen sich daher gut, um Windbewegungen auf dem Mars zu untersuchen.
Anhand von Stereobildern konnten die Forschenden die Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit von etwa 300 Staubteufeln genau bestimmen. Die Analyse zeigte, dass diese Wirbel und die sie umgebenden Winde deutlich schneller sind, als frühere Messungen vermuten ließen. Mit bis zu 44 Metern pro Sekunde, also rund 160 Kilometern pro Stunde, übertreffen sie die bisher angenommenen Höchstwerte um ein Vielfaches. Frühere Daten hatten gezeigt, dass die Windgeschwindigkeiten meist unter 50 Kilometern pro Stunde bleiben und nur selten Werte um 100 Kilometer pro Stunde erreichen.
Diese neuen Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für das Verständnis der Marsatmosphäre. Trotz ihrer geringen Dichte spielt sie eine wichtige Rolle für das Klima und den Staubkreislauf des Planeten. Starke Winde können große Mengen Staub in die Atmosphäre transportieren und damit das Wettergeschehen sowie die Verteilung von Sonnenlicht beeinflussen. Der Staub wiederum wirkt sich auf die Temperaturverhältnisse und die Stabilität der Atmosphäre aus. Damit sind diese Prozesse zentral für das Klima des Mars.
Darüber hinaus liefern die Ergebnisse wertvolle Informationen für zukünftige Marsmissionen. Ein besseres Verständnis der Windverhältnisse kann helfen, Risiken für Landegeräte oder Rover besser einzuschätzen und technische Systeme entsprechend anzupassen. Auch für langfristige Planungen bemannter Missionen sind solche Daten entscheidend, da sie Aufschluss über die klimatischen Bedingungen auf dem Planeten geben.
Die Studie ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit zwischen der Universität Bern, dem DLR-Institut für Weltraumforschung in Berlin und der Open University in Großbritannien. Die Kombination der Daten beider Kameras ermöglichte ein wesentlich umfassenderes Bild der Marsoberfläche, als es mit einem einzelnen Instrument möglich gewesen wäre. Durch die Anwendung moderner KI-Methoden konnten die Forschenden erstmals über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren hinweg die Bewegungsmuster und Geschwindigkeiten der Staubteufel auf dem gesamten Planeten erfassen.
Die Untersuchung zeigt, dass die Atmosphäre des Mars viel dynamischer ist, als man bislang gedacht hatte. Staubteufel sind nicht nur faszinierende Naturerscheinungen, sondern auch wichtige Indikatoren für die Erforschung von Windrichtungen und -geschwindigkeiten. Die neuen Daten tragen entscheidend dazu bei, die Klimamodelle des Roten Planeten zu verbessern und liefern wichtige Grundlagen für künftige wissenschaftliche und technische Missionen.
Wissenschaftliche Studie
- Dust devil migration patterns reveal strong near-surface winds across Mars | Science, 8. Oktober 2025. (Engl.)
Siehe auch
Informationen im Internet
- Atmosphärenforschung für den Roten Planeten: Wie schnell Winde über den Mars fegen | Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, 8. Oktober 2025.