Studie liefert neue Erkenntnisse zu Palästina-Solidaritätsprotesten in Deutschland (2025)

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Studie liefert neue Erkenntnisse zu Palästina-Solidaritätsprotesten in Deutschland (2025)

Ein Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg hat erstmals umfassende Daten zu Palästina-Solidaritätsprotesten in Deutschland erhoben. Die Studie liefert Einblicke in die Zusammensetzung, Motivation und politische Haltung der Teilnehmenden und stützt sich auf den bisher größten Protest dieser Art in Deutschland. Mitwirkende an der Untersuchung waren unter anderem Prof. Dr. Felix Anderl und Dr. Tareq Sydiq vom Zentrum für Konfliktforschung (ZfK).

Die Analyse konzentrierte sich auf den Doppelprotest „All Eyes on Gaza / Zusammen für Gaza“ in Berlin am 27. September 2025, bei dem zwischen 60.000 und 100.000 Menschen demonstrierten. Für die Erhebung wurden standardisierte Methoden aus der Protestforschung eingesetzt, darunter Befragungen vor Ort und eine detaillierte Online-Umfrage. Insgesamt wurden über 1.000 Personen angesprochen, von denen rund 30 Prozent an der Online-Befragung teilnahmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Teilnehmenden jung, gut gebildet und politisch links orientiert war. Die Proteste waren zivilgesellschaftlich geprägt und konzentrierten sich auf legale, gewaltfreie Ausdrucksformen. Sie sprachen sich klar für die Anerkennung eines palästinensischen Staates aus, betonten jedoch gleichzeitig die Bedeutung des Schutzes jüdischen Lebens in Deutschland. Viele berichteten zudem von Erfahrungen mit Ausgrenzung, Überwachung oder staatlicher Repression.

Laut Prof. Dr. Anderl ist es wichtig, empirisch fundierte Erkenntnisse über Protestdynamiken bereitzustellen, besonders in einer stark polarisierten öffentlichen Debatte. Dr. Sydiq betont, dass einfache Lagerlogiken der komplexen Realität der Demonstrierenden nicht gerecht werden.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin (INTERACT) sowie des DeZIM-Instituts durchgeführt. Sie liefert nicht nur wichtige Einblicke für die politische Diskussion über Palästina-Solidarität, sondern trägt auch zur sozialwissenschaftlichen Protestforschung in Deutschland bei. Besonders relevant ist sie für das Verständnis postmigrantischer Gesellschaften und innergesellschaftlicher Konfliktlinien.

Wissenschaftliche Studie

Fußnoten