Spätmittelalter

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Das Spätmittelalter ist die historische Periode, die ungefähr von 1250 n. Chr. bis 1500 n. Chr. andauerte. Es folgt auf das Hochmittelalter und geht der frühen Neuzeit voraus. Diese Zeit war geprägt von bedeutenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen sowie Krisen, die Europa tiefgreifend beeinflussten.

Historischer Hintergrund

Das Spätmittelalter begann in einer Zeit des Wachstums und endete mit Krisen und Übergängen, die den Beginn der Neuzeit einleiteten.

Bevölkerung und Wirtschaft

Nach einer Phase des Bevölkerungswachstums im Hochmittelalter führten Ereignisse wie die Große Hungersnot 1315–1317, die Pestpandemie von 1347–1351 und wiederholte Kriege zu einem erheblichen Bevölkerungsrückgang und wirtschaftlichen Umwälzungen.

Gesellschaft und Wirtschaft

Im Spätmittelalter erlebte Europa tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Veränderungen.

Feudalismus und seine Krise

Der Feudalismus blieb weiterhin eine dominante Struktur, erlebte jedoch Krisen durch wirtschaftliche Veränderungen und soziale Unruhen. Bauernaufstände, wie die Jacquerie in Frankreich und der Peasants’ Revolt in England, spiegelten den Widerstand gegen die feudale Ausbeutung wider.

Stadtentwicklung und Handel

Städte wuchsen und entwickelten sich zu bedeutenden Wirtschaftszentren. Der Fernhandel blühte auf, besonders entlang der Hanseatischen Handelsrouten und der Seidenstraße. Handelsstädte wie Venedig, Genua und Brügge wurden zu wichtigen Handelszentren.

Religion und Kultur

Die christliche Kirche blieb im Spätmittelalter ein zentraler gesellschaftlicher Akteur, erlebte jedoch innere und äußere Herausforderungen.

Kirchliche Krise und Reformbewegungen

Das Avignonesisches Papsttum und das Abendländische Schisma (1378–1417) schwächten die Autorität der Kirche. Reformbewegungen, wie die der Hussiten und später der Lollarden, gewannen an Bedeutung und stellten die kirchlichen Strukturen in Frage.

Kulturelle Blüte und Renaissance

Das Spätmittelalter war eine Zeit kultureller Blüte und Übergangs zur Renaissance. Literarische Werke wie Dantes Göttliche Komödie und Chaucers Canterbury Tales sowie künstlerische Innovationen bereiteten den Weg für die künstlerischen und wissenschaftlichen Errungenschaften der Renaissance.

Politische Entwicklung

Das Spätmittelalter sah die Konsolidierung und Expansion europäischer Reiche und Königreiche sowie bedeutende politische und militärische Konflikte.

Hundertjähriger Krieg

Der Hundertjährige Krieg (1337–1453) zwischen England und Frankreich prägte die politische Landschaft Europas nachhaltig. Er führte zu bedeutenden militärischen und politischen Veränderungen in beiden Ländern.

Aufstieg der Nationalstaaten

Im Spätmittelalter begann der Prozess der Staatsbildung, der zur Entstehung moderner Nationalstaaten führte. England und Frankreich entwickelten sich zu zentralisierten Monarchien, während das Heilige Römische Reich eine komplexe föderale Struktur behielt.

Osmanisches Reich

Das Osmanische Reich expandierte in Südosteuropa und eroberte 1453 Konstantinopel, was das Ende des Byzantinischen Reiches markierte und einen bedeutenden Einfluss auf die europäische Politik hatte.

Technologie und Innovationen

Das Spätmittelalter brachte bedeutende technologische Fortschritte und Innovationen hervor, die die europäische Gesellschaft veränderten.

Buchdruck

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1440 revolutionierte die Verbreitung von Wissen und trug wesentlich zur Bildung und den kulturellen Entwicklungen der Renaissance bei.

Militärische Innovationen

Militärische Technologien, wie der Einsatz von Schießpulver, verbesserten die Effektivität von Waffen und änderten die Kriegsführung grundlegend. Dies führte zum Niedergang der traditionellen Ritterheere und zum Aufstieg von Söldnerheeren und stehenden Heeren.

Nachwirkung

Das Spätmittelalter legte die Grundlagen für viele Entwicklungen der frühen Neuzeit. Die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen dieser Zeit trugen zur Entstehung der modernen europäischen Staaten und Gesellschaften bei.

©1997—2026 Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich) (Urheber)

Quellen und Literatur

  • Huizinga, Johan: Herbst des Mittelalters. Analyse der kulturellen und sozialen Entwicklungen im Spätmittelalter.
  • Tuchman, Barbara: A Distant Mirror: The Calamitous 14th Century. Überblick über die Krisen und Veränderungen des 14. Jahrhunderts.
  • Le Goff, Jacques: Medieval Civilization 400-1500. Untersuchung der mittelalterlichen Gesellschaft und Kultur.

Siehe auch

Geschichtswissenschaftliche Nachschlagewerke

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