Hochmittelalter

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Das Hochmittelalter ist eine historische Periode, die ungefähr von 1000 n. Chr. bis 1250 n. Chr. andauerte. Es folgt auf das Frühmittelalter und geht dem Spätmittelalter voraus. Diese Zeit war geprägt von bedeutenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen sowie politischen Entwicklungen in Europa.

Historischer Hintergrund

Im Hochmittelalter stabilisierten sich viele der politischen Strukturen, die im Frühmittelalter entstanden waren. Königreiche und Fürstentümer festigten ihre Macht, und die feudale Ordnung dominierte das gesellschaftliche Leben.

Bevölkerung und Landwirtschaft

Die Bevölkerungszahl Europas stieg im Hochmittelalter erheblich an, was teilweise durch Verbesserungen in der Landwirtschaft ermöglicht wurde, wie die Einführung der Dreifelderwirtschaft und der Einsatz des Räderpfluges. Diese Innovationen führten zu höheren Erträgen und einer besseren Ernährungssicherheit.

Gesellschaft und Wirtschaft

Die Gesellschaft des Hochmittelalters war stark hierarchisch und von feudalen Strukturen geprägt. Der Adel, die Geistlichkeit und die Bauern bildeten die Hauptgruppen der Bevölkerung.

Feudalismus

Der Feudalismus war das vorherrschende Gesellschaftssystem, in dem Landbesitz und Vasallentreue zentrale Rollen spielten. Lehnsherren gewährten Land (Lehen) an ihre Vasallen im Austausch für militärische Dienste und andere Verpflichtungen.

Städte und Handel

Im Hochmittelalter erlebten viele Städte ein Wachstum und eine Wiederbelebung des Handels. Handelsorganisationen wie die Hanse entstanden, und der Fernhandel nahm zu. Märkte und Messen wurden zu wichtigen wirtschaftlichen Zentren.

Religion und Kultur

Die christliche Kirche hatte im Hochmittelalter großen Einfluss auf das tägliche Leben und die Politik. Gleichzeitig erlebte die Kultur eine Blütezeit, besonders in der Architektur, Literatur und Bildung.

Kirche und Papsttum

Das Papsttum erreichte im Hochmittelalter den Höhepunkt seiner Macht. Die Investiturstreitigkeiten zwischen Kaiser und Papst führten zu Konflikten, aber auch zu einer stärkeren Unabhängigkeit der Kirche. Klöster und Kathedralen waren wichtige religiöse und kulturelle Zentren.

Kreuzzüge

Die Kreuzzüge (1096–1270) waren eine Reihe von militärischen Expeditionen, die von der christlichen Welt unternommen wurden, um das Heilige Land von muslimischer Herrschaft zu befreien. Sie hatten tiefgreifende Auswirkungen auf Europa und den Nahen Osten.

Architektur

Die romanische und später die gotische Architektur prägten das Hochmittelalter. Monumentale Bauwerke wie Kathedralen, Kirchen und Burgen wurden errichtet, die bis heute das europäische Landschaftsbild prägen.

Bildung und Wissenschaft

Universitäten wie Bologna und Paris wurden gegründet und entwickelten sich zu wichtigen Zentren der Bildung und des intellektuellen Lebens. Die Scholastik, eine philosophisch-theologische Methode, dominierte das akademische Denken.

Politische Entwicklung

Das Hochmittelalter sah die Konsolidierung und Expansion europäischer Königreiche und Reiche.

Heiliges Römisches Reich

Das Heilige Römische Reich war ein bedeutender politischer Akteur im Hochmittelalter. Kaiser wie Heinrich IV. und Friedrich I. Barbarossa spielten zentrale Rollen in der europäischen Politik und den Konflikten zwischen Kaiser und Papst.

Frankreich und England

Die Königreiche Frankreich und England entwickelten sich zu mächtigen Monarchien. Die Normannische Eroberung Englands 1066 und die Entwicklung des französischen Königtums unter den Kapetingern sind bedeutende Ereignisse dieser Zeit.

Reconquista

Auf der Iberischen Halbinsel fand die Reconquista statt, der christliche Rückeroberungskrieg gegen die muslimischen Herrschaften. Dieses langwierige Unternehmen endete erst im Spätmittelalter mit der Einnahme von Granada 1492.

Technologie und Innovationen

Das Hochmittelalter brachte zahlreiche technologische und organisatorische Innovationen hervor.

Landwirtschaft

Verbesserungen in der Landwirtschaft, wie die Einführung der Kummets, der Dreifelderwirtschaft und besserer Pflüge, führten zu einer erhöhten landwirtschaftlichen Produktivität und ermöglichten ein Bevölkerungswachstum.

Militärtechnik

Im militärischen Bereich wurden Fortschritte in der Belagerungstechnik und der Waffentechnologie gemacht. Burgen und Festungen wurden weiterentwickelt und bildeten das Rückgrat der Verteidigungssysteme.

Nachwirkung

Das Hochmittelalter legte viele der Grundlagen für das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit. Die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen dieser Zeit beeinflussten die europäische Geschichte nachhaltig und trugen zur Entwicklung der modernen europäischen Staaten bei.

©1997—2026 Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich) (Urheber)

Quellen und Literatur

  • Cantor, Norman F.: The Civilization of the Middle Ages. Überblick über die mittelalterliche Geschichte und Kultur.
  • Bartlett, Robert: The Making of Europe: Conquest, Colonization and Cultural Change, 950-1350. Untersuchung der kulturellen und sozialen Veränderungen im Hochmittelalter.
  • Clanchy, M. T.: From Memory to Written Record: England 1066–1307. Studie über die Entwicklung der Schriftkultur im mittelalterlichen England.

Siehe auch

Geschichtswissenschaftliche Nachschlagewerke

Enzyklopädien & Lexika

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