Frühzeit

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Die Frühzeit (auch Frühgeschichte) bezeichnet die Epoche der Menschheitsgeschichte, die vor der Entwicklung schriftlicher Überlieferungen liegt. Sie umfasst den Zeitraum von den Anfängen der Hominisation bis zum Beginn der schriftlichen Dokumentation, der je nach Region unterschiedlich datiert wird. Diese Epoche zeichnet sich durch grundlegende Entwicklungen aus, die die biologische und kulturelle Evolution des Menschen prägten. Die Frühzeit wird traditionell in mehrere Abschnitte unterteilt, darunter die Altsteinzeit, Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit, die jeweils durch spezifische Fortschritte in der Lebensweise und Technologie gekennzeichnet sind.

Anfänge der Menschheit

Die Entstehung der Menschheit begann vor etwa 7 bis 6 Millionen Jahren in Afrika, als sich die Linie der Hominini von der der Menschenaffen trennte. Erste Vertreter dieser Linie, wie Sahelanthropus tchadensis und Ardipithecus ramidus, wiesen sowohl affenartige als auch menschenähnliche Merkmale auf. Der aufrechte Gang, ein zentrales Kennzeichen der Hominini, entwickelte sich schrittweise und ermöglichte eine effizientere Fortbewegung sowie die Nutzung der Hände für Werkzeuge.

Die Gattung Homo entstand vor etwa 2,8 Millionen Jahren, wobei Homo habilis als einer der frühesten Vertreter gilt. Mit ihm setzte die systematische Herstellung von Werkzeugen ein, die als Oldowan-Kultur bekannt ist. Diese ersten Werkzeuge, bestehend aus einfachen Schlagsteinen, markierten einen bedeutenden Fortschritt in der Nutzung von Ressourcen und trugen zur Ausbreitung der frühen Menschen bei.

Homo erectus, der vor etwa 1,9 Millionen Jahren auftrat, zeigte eine weitere Steigerung der kognitiven Fähigkeiten und begann, komplexere Werkzeuge herzustellen. Er war auch der erste Hominin, der Afrika verließ und sich über Eurasien ausbreitete. Die Kontrolle des Feuers, eine der bedeutendsten Errungenschaften dieser Zeit, ermöglichte es, Nahrung zu kochen und neue Lebensräume zu erschließen.

Altsteinzeit und die Entwicklung kultureller Ausdrucksformen

Die Altsteinzeit, die längste Phase der Frühzeit, erstreckt sich von etwa 2,5 Millionen Jahren bis etwa 10.000 v. Chr. Sie war geprägt von der Entwicklung immer komplexerer Werkzeuge und Jagdtechniken. Der Neandertaler, der vor etwa 400.000 Jahren in Europa und Westasien lebte, entwickelte die sogenannte Mousterien-Kultur, die durch fein bearbeitete Steinklingen gekennzeichnet war.

Neben technologischen Fortschritten zeigten sich in der Altsteinzeit erste kulturelle Ausdrucksformen. Funde von Höhlenmalereien, wie in Lascaux und Altamira, sowie die Herstellung von Schmuck und figürlichen Darstellungen deuten auf symbolisches Denken und eine ausgeprägte kulturelle Kreativität hin. Die Bestattung der Toten, wie sie bei Neandertalern nachgewiesen wurde, weist zudem auf frühe Formen religiösen oder spirituellen Denkens hin.

Homo sapiens, der moderne Mensch, entwickelte sich vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Seine kognitiven Fähigkeiten ermöglichten eine rasche Anpassung an unterschiedlichste Lebensräume. Mit seiner Ausbreitung über die ganze Welt ab etwa 70.000 v. Chr. begann eine Phase intensiver kultureller und technologischer Innovation, die als kognitive Revolution bezeichnet wird.

Mittelsteinzeit und der Übergang zur Sesshaftigkeit

Die Mittelsteinzeit, die von etwa 10.000 bis 8000 v. Chr. datiert wird, war eine Übergangsphase zwischen der Alt- und Jungsteinzeit. In dieser Zeit führte das Ende der letzten Eiszeit zu einer Erwärmung des Klimas, die eine Anpassung der Lebensweise erforderlich machte. Die Menschen begannen, kleinere Tiere zu jagen, Fischfang zu betreiben und Wildpflanzen gezielt zu sammeln.

In einigen Regionen, insbesondere im Fruchtbaren Halbmond, wurden erste Ansätze zur Domestikation von Pflanzen und Tieren sichtbar. Diese frühen Experimente mit Landwirtschaft und Viehzucht markierten einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte, da sie den Grundstein für die neolithische Revolution legten.

Jungsteinzeit und die Anfänge der Zivilisation

Die Jungsteinzeit, die etwa 8000 v. Chr. begann, war durch die weitgehende Einführung von Landwirtschaft und Sesshaftigkeit geprägt. Mit der Kultivierung von Getreide wie Weizen und Gerste sowie der Domestikation von Tieren wie Ziegen und Schafen entstanden dauerhafte Siedlungen. Bekannte Fundstätten wie Jericho und Çatalhöyük zeigen, dass diese frühen Siedlungen nicht nur Wohnorte, sondern auch Zentren sozialer und kultureller Aktivität waren.

Die Entwicklung der Töpferei, die Herstellung von Textilien und die Verwendung von Metall für Werkzeuge und Waffen kennzeichnen weitere technologische Fortschritte dieser Zeit. Die soziale Organisation veränderte sich grundlegend, da die Sesshaftigkeit zu einer größeren Bevölkerungsdichte, Arbeitsteilung und sozialen Hierarchien führte.

Im späten Neolithikum entstanden erste Anzeichen für religiöse und politische Strukturen. Monumentale Bauwerke wie Stonehenge oder die Tempelanlagen von Göbekli Tepe zeugen von einer komplexen Organisation und einem tiefen kulturellen Bewusstsein. Diese Entwicklungen ebneten den Weg für die ersten Hochkulturen, die mit der Bronzezeit und der Einführung der Schrift begannen.

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Siehe auch

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Literaturverzeichnis

  • Bernhard Hänsel: Das Studium der Ur- und Frühgeschichte an den deutschen Universitäten. Muß die Universitätsausbildung späteren Berufsanforderungen nachkommen? In: Archäologisches Nachrichtenblatt. 4 (2), 1999, S. 143–148.
  • Hermann Müller-Karpe: Grundzüge früher Menschheitsgeschichte. 5 Bände, Theiss Verlag, Stuttgart und Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998.
  • Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 10). Metzler, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-476-02470-1.