Frühgeschichte

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Frühgeschichte bezeichnet die Epoche der Menschheitsgeschichte, die den Zeitraum zwischen der Altsteinzeit und der Entstehung schriftlicher Überlieferungen umfasst. Diese Phase wird durch bedeutende kulturelle, soziale und technologische Entwicklungen charakterisiert, die das Fundament für die späteren Zivilisationen legten. Die Frühgeschichte wird archäologisch untersucht, da schriftliche Quellen in diesem Zeitraum fehlen. Sie schließt an die Urgeschichte an und geht fließend in die Antike über, wobei die genauen zeitlichen Abgrenzungen regional variieren.

Definition und Periodisierung

Die Frühgeschichte ist ein Teilbereich der Vorgeschichte und umfasst die Zeit, in der sich komplexere soziale Strukturen, dauerhafte Siedlungen und frühe Staaten entwickelten. Diese Epoche ist vor allem durch den Übergang von der Jäger- und Sammlerwirtschaft zur Landwirtschaft und Sesshaftigkeit gekennzeichnet. In Mitteleuropa reicht die Frühgeschichte von der Jungsteinzeit bis zur Eisenzeit, während in Regionen wie Mesopotamien und Ägypten die Frühgeschichte früher endet, da dort mit der Entwicklung der Schrift die historische Zeit beginnt. Die Chronologie der Frühgeschichte variiert somit erheblich je nach geographischem und kulturellem Kontext.

Gesellschaft und Wirtschaft

Die gesellschaftlichen Strukturen der Frühgeschichte waren geprägt von einer zunehmenden Arbeitsteilung und sozialen Differenzierung. Während in der Altsteinzeit kleine, egalitäre Gemeinschaften dominierten, entstanden in der Frühgeschichte komplexere soziale Hierarchien. Die Entwicklung von Landwirtschaft und Viehzucht führte zu einer stabileren Nahrungsversorgung, was das Bevölkerungswachstum und die Bildung größerer Gemeinschaften ermöglichte. Sesshafte Lebensweisen begünstigten den Aufbau von Dörfern und später von Städten, in denen sich politische und religiöse Zentren herausbildeten. Der Tauschhandel wurde durch die Produktion von Überschüssen und den Bedarf an spezialisierten Gütern intensiviert, wobei Rohstoffe wie Metalle, Obsidian und Salz eine zentrale Rolle spielten. Diese wirtschaftlichen Entwicklungen trugen zur Herausbildung von Machtzentren und frühen staatlichen Strukturen bei.

Technologische Fortschritte

Die Frühgeschichte war durch bedeutende technologische Innovationen gekennzeichnet, die das Leben der Menschen nachhaltig veränderten. Die Beherrschung von Feuer, die Entwicklung von Keramik und die Erfindung des Rads sind frühe Meilensteine. Besonders prägend war die Metallurgie, die in der Kupfersteinzeit begann und in der Bronzezeit sowie der Eisenzeit zu großen Fortschritten führte. Die Verwendung von Metallen ermöglichte die Herstellung widerstandsfähiger Werkzeuge und Waffen, was sowohl die landwirtschaftliche Produktion als auch die Kriegsführung revolutionierte. Ebenso förderte die Entwicklung von Webstühlen und anderen handwerklichen Technologien die Spezialisierung und den Handel. Die architektonischen Fähigkeiten nahmen ebenfalls zu, wie die Errichtung monumentaler Bauwerke wie Dolmen, Grabhügel und Tempelanlagen zeigt.

Kultur und Religion

In der Frühgeschichte entstanden die Grundlagen vieler kultureller und religiöser Traditionen, die später die Zivilisationen der Antike prägten. Die Kunst der Frühgeschichte zeigt sich in Form von Felsmalereien, Skulpturen und Schmuck, die sowohl ästhetischen als auch symbolischen Zwecken dienten. Religiöse Praktiken gewannen an Bedeutung, wie archäologische Funde von Kultstätten, Opfergaben und Grabbeigaben nahelegen. Die Bestattungskultur spiegelt sowohl die Vorstellungen vom Jenseits als auch die soziale Stellung der Verstorbenen wider. Götter- und Ahnenkulte sowie Naturverehrung prägten das religiöse Leben, das häufig mit politischen Strukturen verbunden war. Die Entstehung von Schreinen und Tempeln markiert den Beginn institutionalisierter Religionen.

Archäologische Erforschung

Die Erforschung der Frühgeschichte erfolgt hauptsächlich durch die Archäologie, da schriftliche Quellen fehlen. Methoden wie die stratigraphische Analyse, die Radiokarbon-Datierung und die Analyse von Werkzeugen, Siedlungsresten und menschlichen Überresten ermöglichen eine Rekonstruktion der Lebensweisen dieser Epoche. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Übergangsphasen, etwa dem Wechsel von der Altsteinzeit zur Jungsteinzeit oder dem Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit, da diese Zeiten oft durch tiefgreifende kulturelle und technologische Veränderungen geprägt waren. Archäologische Stätten wie Çatalhöyük in Anatolien, Stonehenge in England und die Siedlungen der Bandkeramiker in Mitteleuropa bieten wertvolle Einblicke in die Entwicklung der Gesellschaften in der Frühgeschichte.

Bedeutung der Frühgeschichte

Die Frühgeschichte stellt eine entscheidende Phase in der Entwicklung der Menschheit dar. In dieser Epoche wurden die Grundlagen für viele zentrale Aspekte des späteren Lebens gelegt, darunter Landwirtschaft, Technologie, Kunst, Religion und soziale Organisation. Sie bildet die Brücke zwischen der Urgeschichte und der historischen Zeit und ermöglicht es, die Ursprünge und Entwicklungen der ersten Hochkulturen zu verstehen. Die Untersuchung der Frühgeschichte ist daher nicht nur für die Archäologie, sondern auch für die Geschichtswissenschaften und die Anthropologie von großer Bedeutung.

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Literaturverzeichnis

  • Bernhard Hänsel: Das Studium der Ur- und Frühgeschichte an den deutschen Universitäten. Muß die Universitätsausbildung späteren Berufsanforderungen nachkommen? In: Archäologisches Nachrichtenblatt. 4 (2), 1999, S. 143–148.
  • Hermann Müller-Karpe: Grundzüge früher Menschheitsgeschichte. 5 Bände, Theiss Verlag, Stuttgart und Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998.
  • Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 10). Metzler, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-476-02470-1.