Publius Cornelius Tacitus
Publius Cornelius Tacitus (auch einfach Tacitus genannt: * um 58; † nach 120) war ein römischer Senator, Konsul und einer der bedeutendsten Historiker der römischen Antike. Seine Werke, darunter die „Annalen“ und die „Historien“, zählen zu den wichtigsten Quellen zur Geschichte des Römischen Reiches im 1. und frühen 2. Jahrhundert.
Leben
Tacitus’ genaues Geburtsdatum sowie sein Geburtsort sind unbekannt. Es wird angenommen, dass er um das Jahr 58 n. Chr. geboren wurde. Über seine familiäre Herkunft ist wenig überliefert, jedoch dürfte er aus einer römischen Ritterfamilie (ordo equester) gestammt haben. Der römische Gelehrte und Schriftsteller Plinius der Jüngere erwähnte Tacitus als einen engen Freund und Weggefährten.
Tacitus begann seine politische Laufbahn unter Kaiser Vespasian und stieg unter den Kaisern Titus und Domitian weiter auf. Um das Jahr 77 heiratete er die Tochter des römischen Feldherrn Gnaeus Iulius Agricola, deren Einfluss ihm möglicherweise zusätzlichen Aufstieg in seiner Karriere verschaffte. Unter Domitian wurde Tacitus in den römischen Senat aufgenommen und im Jahr 88 zum Prätor ernannt. Seine politische Karriere setzte er unter den Kaisern Nerva und Trajan fort. Im Jahr 97 erreichte Tacitus den Höhepunkt seiner politischen Laufbahn, als er zum Konsul ernannt wurde — eine der höchsten Ehren in der römischen Ämterlaufbahn.
Werk
Tacitus ist vor allem als Historiker bekannt. Seine beiden Hauptwerke, die „Historien“ (Historiae) und die „Annalen“ (Annales), sind zentrale Quellen zur römischen Geschichte der ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte. Neben diesen beiden großen historischen Werken verfasste Tacitus auch kleinere Schriften, darunter die „Germania“, die eine ethnografische Abhandlung über die germanischen Stämme darstellt, sowie das „Agricola“, eine Biografie seines Schwiegervaters, des Feldherrn Gnaeus Iulius Agricola.
„Germania“
Die „Germania“ (vollständiger Titel: De origine et situ Germanorum) wurde vermutlich um das Jahr 98 verfasst und beschreibt die Sitten, Gebräuche und das Lebensumfeld der germanischen Völker jenseits des Römischen Reiches. Tacitus stellt die Germanen als ein einfaches, unverdorbenes Volk dar, im Kontrast zu den dekadenten Römern. Die „Germania“ ist eine der wichtigsten antiken Quellen zur Frühgeschichte der germanischen Völker, wobei jedoch Vorsicht geboten ist, da Tacitus teilweise idealisierte oder vereinfachte Darstellungen lieferte.
„Agricola“
Das Werk „Agricola“ (De vita et moribus Iulii Agricolae) ist eine Biografie seines Schwiegervaters, des römischen Feldherrn Gnaeus Iulius Agricola, der als Statthalter in Britannien diente und maßgeblich zur Eroberung und Befriedung der Insel beitrug. Die Biografie wurde um das Jahr 98 verfasst und enthält neben der Darstellung von Agricolas Leben und Taten auch eine detaillierte Schilderung des römischen Feldzugs in Britannien.
„Historien“
Die „Historien“ (Historiae) beschreiben die Ereignisse im Römischen Reich von den Wirren nach dem Tod Neros im Jahr 68 bis zur Herrschaft des Kaisers Domitian. Ursprünglich umfasste das Werk vermutlich 14 Bücher, jedoch sind nur die ersten vier Bücher und Teile des fünften Buches erhalten. Diese erhaltenen Bücher behandeln den Zeitraum von 68 bis 70 n. Chr., insbesondere das sogenannte Vierkaiserjahr und den Aufstieg des Kaisers Vespasian.
„Annalen“
Das zweite Hauptwerk des Tacitus, die „Annalen“ (Annales), schließt chronologisch an die „Historien“ an und behandelt die römische Geschichte von den letzten Regierungsjahren des Kaisers Augustus bis zum Tod Neros im Jahr 68. Die „Annalen“ umfassten ursprünglich 16 Bücher, von denen jedoch nur etwa die Hälfte erhalten ist. Tacitus schildert die Herrschaft der Kaiser Tiberius, Caligula, Claudius und Nero, wobei er sich durch seine scharfe Kritik an den Kaisern des julisch-claudischen Hauses auszeichnet. Besonders die Schilderung der tyrannischen Herrschaft Neros ist von nachhaltiger Wirkung und beeinflusste spätere Generationen.
Stil und Methode
Tacitus ist bekannt für seinen prägnanten, oft düsteren Stil. Seine Schriften sind durch knappe, teils elliptische Formulierungen und eine hohe stilistische Dichte gekennzeichnet. Er verwendet häufig antithetische Wendungen und pointierte Aussagen, um politische und moralische Kontraste herauszuarbeiten. Seine Darstellungen der Kaiserzeit sind oft von einem pessimistischen Grundton geprägt. Tacitus sieht das Römische Reich in einem Zustand moralischen Niedergangs, den er auf den Verlust der republikanischen Freiheit und die zunehmende Machtkonzentration in den Händen der Kaiser zurückführt.
Bedeutung
Tacitus gilt als einer der bedeutendsten Historiker der Antike. Seine Werke liefern nicht nur detaillierte Informationen über die politischen und militärischen Ereignisse des Römischen Reiches, sondern geben auch tiefe Einblicke in die römische Gesellschaft und ihre Moralvorstellungen. Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber der kaiserlichen Macht und seiner schonungslosen Darstellung von Korruption und Machtmissbrauch wird Tacitus oft als früher Vertreter eines politischen Pessimismus betrachtet.
Seine Werke beeinflussten zahlreiche spätere Historiker und Denker. Besonders im Humanismus und in der Aufklärung wurde Tacitus wegen seiner scharfen Analyse von Macht und Tyrannei geschätzt. In der modernen Forschung wird sein Werk nicht nur als historische Quelle, sondern auch als literarisches Meisterwerk gewürdigt.
Überlieferung
Die Werke des Tacitus sind nur teilweise erhalten geblieben. Viele Teile seiner „Annalen“ und „Historien“ fehlen, was den Gesamtüberblick über die behandelten Zeiträume erschwert. Dennoch haben die erhaltenen Schriften großen Einfluss auf das Verständnis der römischen Geschichte.
Die handschriftliche Überlieferung von Tacitus’ Werken ist komplex. Die wichtigsten Handschriften stammen aus dem Mittelalter, wobei insbesondere zwei Codices aus dem 9. und 11. Jahrhundert von großer Bedeutung sind. Diese Handschriften ermöglichten die Überlieferung seiner Schriften bis in die Neuzeit.
Siehe auch
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