Vertrauen in die Demokratie und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland im Jahr 2025
Vertrauen in die Demokratie und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland im Jahr 2025
Die aktuelle „Mitte“-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass in Deutschland zwar weniger Menschen eindeutig rechtsextreme Ansichten vertreten als noch vor zwei Jahren, das Vertrauen in die Demokratie jedoch weiter abnimmt. Die Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt und untersucht anhand einer repräsentativen Befragung, wie stark rechtsextreme, menschenfeindliche und antidemokratische Einstellungen in der Bevölkerung verbreitet sind. Für die diesjährige Untersuchung wurden zwischen dem 30. Mai und dem 4. Juli 2025 über 2000 Personen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass 3,3 Prozent der Befragten ein klar rechtsextremes Weltbild haben, während eine größere Zahl empfänglich für antidemokratische Überzeugungen ist. Die Unzufriedenheit der Menschen mit ihrem Staat hängt offenbar nicht mit der demokratischen Staatsform zusammen: 79 Prozent sehen sich als überzeugte Demokraten. Dennoch findet nur etwa die Hälfte der Befragten, dass die deutsche Demokratie insgesamt gut funktioniert. Etwa ein Viertel widerspricht dieser Aussage entschieden, was den höchsten Wert seit 2016 darstellt. Gleichzeitig ist das Misstrauen in staatliche Institutionen wie Behörden, Gerichte oder Universitäten in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen, und das Vertrauen in den korrekten Ablauf von Wahlen hat sich verdreifacht. Besonders in den letzten zwei Jahren hat der Vertrauensverlust deutlich zugenommen.
Positiv zu vermerken ist, dass mittlerweile rund drei Viertel der Deutschen rechtsextreme Einstellungen ablehnen. Vor zwei Jahren war ein Anstieg rechtsextremer Überzeugungen zu beobachten, der vor allem auf die Unzufriedenheit vieler Menschen am Ende der Pandemie zurückgeführt wurde. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung verhalten sich neutral gegenüber rechtsextremen Aussagen, das heißt, sie stimmen diesen nicht klar zu, lehnen sie aber auch nicht ab. Bei einzelnen Aspekten eines rechtsextremen Weltbildes zeigen sich unterschiedliche Zustimmungswerte: 43 Prozent der Befragten befürworten ein starkes Nationalgefühl, fast ein Viertel wünscht sich, dass Deutschland mehr Macht und Bedeutung erlangt, und 15 Prozent sprechen sich für eine starke Führungspersönlichkeit aus. Deutlich abgelehnt wird jedoch die Verharmlosung des Nationalsozialismus. Gleichzeitig bestehen weiterhin abwertende Einstellungen gegenüber Asylsuchenden und Langzeitarbeitslosen, und auch antisemitische Überzeugungen sind mit 17 Prozent Zustimmung beziehungsweise 22,4 Prozent ambivalenter Haltung noch verbreitet. Die Forscher sehen in Teilen eine Normalisierung rechtsextremer Einstellungen im öffentlichen Diskurs.
Demografische Unterschiede sind ebenfalls erkennbar. Männer zeigen häufiger rechtsextreme Einstellungen als Frauen, und besonders die Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen weist mit sieben Prozent den höchsten Anteil auf. Bei den über 65-Jährigen liegt dieser Anteil bei einem Prozent. Rechtsextreme Einstellungen korrelieren zudem mit niedriger Bildung und geringem Einkommen. Historisch bestehende Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gleichen sich zunehmend an: Im Osten wird eher Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vertreten, während Sozialdarwinismus und Klassismus im Westen verbreiteter sind.
Die Studie untersucht auch die Haltung der Bevölkerung zum Klimawandel. Nur noch 56 Prozent sehen ihn als Bedrohung für Deutschland, während es in früheren Jahren noch etwa 70 Prozent waren. Etwa die Hälfte der Bevölkerung unterstützt Klimaschutzmaßnahmen, wobei diejenigen, die kritisch gegenüber solchen Maßnahmen sind, gleichzeitig häufig weniger Vertrauen in die Demokratie haben und eher rechtsextreme oder populistische Ansichten teilen.
Martin Schulz, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, betont, dass die Studie zeigt, dass die Mehrheit der Gesellschaft die Demokratie unterstützt, aber auch, dass antidemokratische und menschenfeindliche Stimmungen von Rechtspopulisten allmählich in die Mitte der Gesellschaft vordringen. Die Studienautoren sehen Bildung als ein wichtiges Mittel, um Demokratiefeindlichkeit zu begegnen und Resilienz in der Bevölkerung zu fördern.
Wissenschaftliche Studie
- Ergebniszusammenfassung der Mitte-Studie 2024/25 »Die angespannte Mitte« (PDF-Format) | Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2025.
Siehe auch
- Wikipedia:de:Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung
- Wikipedia:de:Friedrich-Ebert-Stiftung
- Wikipedia:de:Kategorie:Friedrich-Ebert-Stiftung
Informationen im Internet
- Neue „Mitte“-Studie: Jung, männlich, rechts | Frankfurter Allgemeine, 6. November 2025. Abgerufen am 8. November 2025.
- Internetpräsenz der Friedrich-Ebert-Stiftung (Unterseite: Mitte-Studie)